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Ferien, Ferien

Gleich am Anfang der Etappe muss ich um Entschuldigung bitten, es gibt noch mehr Mont-Blanc-Fotos. Zum Beispiel das hier aus Chamonix aufgenomme. Oder natürlich das Foto oben, das das Etappenziel nebst einschlägigem Hintergrundberg zeigt.

Mont Blanc mit (vermutlich) Glacier de Bossons

Mich fasziniert der. Der Mont Blanc zählt zu den Bergen, die ich selbst – ausschließlich mit Bergführer – durchaus besteigen könnte. Er hat eigentlich nur drei Herausforderungen: 1) es ist ein hoher Berg. Damit ist eigentlich fast alles gesagt. Das bringt eine ganze Reihe von Grundherausforderungen mit sich, ist aber eben nicht für den Mont Blanc spezifisch: Kondition, technische Grundfertigkeit, persönliche Unerschrockenheit, krasse Sonneneinstrahlung, schwierigere Witterungsbedingungen, und die relative Sauerstoffknappheit merke ich ab 4.000 m durchaus auch. 2) Man kreuzt auf dem normalen Weg einen sehr stark steinschlaggefährdeten Hang. Hier gibt es ein Sicherungsseil und man muss sehr schnell sein 3) Er ist der höchste Berg von nennen wir es Kerneuropa (eigentlich ist der Elbrus im Kaukasus der höchste Europäer) und entsprechend überlaufen. Meines Wissens hatten zumindest in einem der letzten Jahre die Behörden den Zugang begrenzen müssen auf all diejenigen mit einer Reservierung auf einer der Hütten. Das bedeutet langfristige Reservierung und hoffen aufs Wetterglück, wenn es denn soweit ist.

Für mich bedeutet das: Punkt 1) hat man immer, irgendein Punkt 2) findet sich bei den meisten Bergen auch, häufig viel schwierigere. Zweifeln lässt mich Punkt 3) Vom bergsteigerischen Erlebnis ist der Mont Blanc vermutlich nicht toller als Gran Paradiso, Monte Rosa, Lagginhorn, Weißmiess. Auf diesen relativ einfachen 4000ern war ich schon. Aber hören die sich so gut an wie Mont Blanc ?

Mit diesen Gedanken hab ich mich beschäftigt, während ich durch den Stadtwald von Chamonix lief. Meine Hochtouren haben mich durchaus begeistert, aber auch ganz schön herausgefordert. Und es werden wohl keine weiteren werden. Ich will ja erst nach Nizza, und geübter werde ich dadurch nicht.

So ging es dahin. Im Stadtwald folgten ein Klettergarten (das ist eine dicht an dicht mit Sicherungshaken und in diesem Fall auch Sicherungsseilen vorgerüstete und leicht erreichbare Felswand, also ideal zum unkomplizierten Üben), ein Hochseilgarten, Campingplatz, Seen. Ein klassisches Feriengebiet also und gut besucht.

Klettergarten im Stadtwald von Chamonix

Nach ungefähr 2.5 Stunden veränderte sich das Bild. Im Ort Les Houches war der Fluss zu queren, und ab da gings bergauf. Aber immer noch an lauter Häusern am Hang vorbei, die nach Ferien- oder Wochenendhaus aussahen. Landwirtschaft habe ich mit zwei Ausnahmen überhaupt nicht gesehen, ein krasser Unterscheid zur Schweiz. Ab und zu hängt ein „A Vendre“-Schild an einem Haus und ich habe einen sofortigen Will-ich-haben-Reflex.

Oberhalb Les Houches

Dieser Reflex hat jedoch zwei Gegenspieler: die Jacht auf dem Mittelmeer, und den Preis. Ich hab in einem Maklerschaufenster geschaut, man ruft hier doppelte Preise im Vergleich zum auch nicht sehr günstigen Berlin auf! Und das, obwohl Chamonix und auch die Gegend gar nicht unbedingt nach Reiche-Leute-Schaulaufen aussieht.

Egal. Der Ansteig hatte dann ein spezielles Problem: die Straße war zu breit. Daher bin ich zu schnell gegangen, was ich nach ungefähr 1.5 Stunden dann auch gemerkt hab. Ich war ziemlich platt, als das Restaurant La Fré mi am Weg die Rettung bot. In Form von viel Apfelschorle und einer kleinen gezuckerten Waffel. Zusammen mit der Aussicht war ich nach 30 Minuten wieder hergestellt. Insgesamt habe ich den Anstieg in den angegebenen 1:45 Stunden absolviert – und das einschließlich der 30-minütigen Restaurantpause. Zu schnell eben.

Im La Fré mi

Es ging dann noch 20 Minuten weiter, bis ich auf der Passhöhe angekommen bin und über den dort vorgefundenen Bahnhof gestaunt habe. Es gibt hier eine Bahn, die teilweise mit Zahnradhilfe auf einen der vielen Aussichtsbalkons fährt. Wie gesagt, es ist eine ausgesprochene Ferienregion hier.

Kleiner Insider: Eau Rouge/Raidillon für den kleinen Mann, oder?

Auf der anderen Seite war dann aber Schluss mit der allgemeinen Ferienregion, hier war der Tour de Mont Blanc Wanderer dann wieder unter sich. Und es herrschte plötzlich Ruhe.

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