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Wasser

Hefte raus, Thementag! Es geht um Wasser. Ja, selbstverständlich begann auch diese Etappe wieder im Nebel, der sich erst am späten Vormittag gelichtet hat. Aber das hat heute nicht gestört. Auch geregnet hat es nicht. Der Weg verlief zweimal etwas länger an Gewässern, die ich ganz beeindruckend fand. Dazu gab’s einen Flächenwasserfall und eine französische Erklärungstafel des Wasserkreislaufs. Plus die allgegenwärtigen Ermahnungen der Refuge am Nachmittag, wie wertvoll das Wasser sei. Und ich ergo bitte nicht länger als 3 Minuten duschen soll.

Vorgenommen hatte ich mir den Thementag natürlich nicht. Für mich war nach den beiden langen Vortagen Hosentaschentag. Will heißen: ich gehe so langsam und entspannt, dass ich erstens keine Stöcke brauche und zweitens die Hände in den Hosentaschen lassen kann. Die Etappe war auch kurz und das ganze hat hervorragend geklappt.

Zunächst ging es durch die Dörfer bergab. Das war so still, dass sich von meiner plötzlichen Präsenz eine Katze kurz so irritiert gefühlt hat, dass ihr der Vogel wieder durch die Lappen gegangen ist, den sie eigentlich schon in den Fängen hatte. So ging das bis hinunter ins Tal der Isère, und auf der anderen Seite im Grunde gleich wieder hoch.

Das kleine Seitental, in das ich jetzt ansteige, zählt sich zum des Nationalparks Vanoise, am Nachmittag sah man ihn auch:

Zum Nationalpark Vanoise

Der ist hier die große Attraktion, und man zählt sich zur Randzone des Nationalparks, obwohl sich im Tal eigentlich Örtchen an Örtchen aneinander reihen. Aber die sind schön, wenn auch nicht ohne Bedienungsanleitung zu betreten:

Das weiße Kreuz auf rotem Grund steht weder für die Schweiz noch für Dänemark, sondern Savoyen

Und weil mir inzwischen mein Vorrat an Notverpflegung ausgegangen ist, bin ich über den Tante-Emma-Laden in Peisey sehr dankbar. Der nennt sich in gewisser Überschätzung dessen was wir hier so tun „Sherpa Alimentation“. Ich gehe weiter, bis ich am Ende einer Hochfläche – und auch am Ende der Straße – in diesem Tal meine Refuge vorfinde. Die ist gleichzeitig Nationalparkzentrum, auf das ich mich morgen freuen darf.

Zurück zum Wasser. Da ich mir wie schon öfter gesagt, die Etappen vorab nicht immer ganz genau anschaue, war ich am Vormittag ziemlich überrascht, einige Zeit direkt an der Isère zu gehen. Das ist eine der Isar, Iller, Lech und Inn Frankreichs, und fließt halt zu der Rhone hin. Die Isère entspringt hier im Nationalpark und ist dafür schon ziemlich breit, schnell fließend und ein bißchen wild.

Die Isère

Mir hat das ausnehmend gut gefallen neben dem Fluss, und im übrigen geht es sich da zur Abwechslung mal tatsächlich ebenerdig. Und ein ganzes Stück später, nach den Dörfern, verlief der Weg neben einem der kleinen Zuflüsse der Isère, dem Ponturin. Der war dann richtig wild, hatte aber wunderbar klares Wasser, eine frische Gischt, und immer wieder natürliche kleine Becken, die sich als Pool angeboten haben. Warm genug fürs Baden war es aber nicht, außerdem waren das eher Whirlpools als ruhige Wellnessbecken. Aber egal, ich hätte mich am liebsten einfach reingelegt.

Wildwasser am Ponturin

Und als scheine mir die Natur heute was erklären zu wollen, folgte etwas später Anschauungsmaterial, woher das Wasser im Ponturin kommt. Ich hab’s glaube ich nicht richtig auf das Foto gekriegt, aber am Hang floss an einer Stelle auf vielleicht 20 Metern Breite Wasser herab. Sah von Ferne massiv aus, aber das gesamte Wasser wurde letztlich in einem ziemlich kleinen Bächlein eingesammelt. Hat aber trotzdem was hergemacht.

Wasserzulauf oberhalb Les Lanches

So hatte ich das jetzt alles in schöner Reihenfolge gesehen, da fehlte nur noch die Erklärungstafel vom Ganzen. Und schon war sie da, als kleine Französischlektion für mich, sozusagen.

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