Sommerhoch

Ungeduldig geworden ob der noch so vielen Etappen bis Nizza, habe ich mir diesmal 3 Wochen am Stück vorgenommen. Und die Wandersaison in den Alpen ist eh nur kurz, die Zeit muss gut genutzt werden. So bin ich gestern in Ruhe nach Kandersteg gereist. Zu meinem Glück begleiten mich an den ersten Tagen Schwägerin und Nichte, und so haben wir uns Montag in der Frühe bei bestem Sommerwetter und frischer Luft aufgemacht.

Aber Stop – wir starten auf der ersten Etappe mit angezogener Handbremse. Weil mir 3 Wochen am Stück doch ziemlich viel erscheinen, setze ich auf vorsichtige Akklimatisierung, wir halten die Etappe kurz und nehmen die Seilbahn auf die Allmenalp für die ersten 530 Höhenmeter. Das war schon das erste Abenteuer, die Talstation, die Seilanlage und vor allem die Kabinen wirken gelinde gesagt antik und sind verglichen mit modernen Anlagen winzig. Sah aber alles bestens betreut und top in Schuss aus. Wir vertrauen also und werden mit der direkten Aussicht auf den sehr ausgesetzten Klettersteig Allmenalp und dessen Kletterer belohnt.

Oben angekommen ist es heiß und ausgesprochen ruhig. Sommer halt. Wir machen uns direkt auf den Weg die Almen hinauf und müssen ziemlich schnell feststellen, dass es keine ganz so schlechte Idee war, langsam anzufangen. Keiner von uns ist wirklich im Stoff, und so üben wir uns in der Kunst, geduldig möglichst langsam anzusteigen. Was dann auch gut funktioniert hat.

Nach einer starken Stunde ändert sich das Gelände. Wir queren leicht ansteigend einen Schotterhang und schlängeln uns anschließend auf schmalem Pfad durchs sehr steile, brüchige und felsige Gelände zum Alpschelegrat hoch.

Am Alpschelegrat

Wirkliche Gefahr besteht nicht, man sieht die versichernde Kette. Aber Konzentration ist auf jeden Fall gefragt. Oben angekommen sehen wir die Via Alpina aus dem Tal ansteigen. Wir folgen ihr die letzten 20 Minuten zur Bunderchrinde, den Übergang ins Engstligental. Die ist so schroff wie sie heißt, aber der Blick zurück ins Kandertal …

Der Oeschinensee inmitten seiner Wächter

… und voraus ins Engstligental ist atemberaubend (das Foto ganz oben). Zeit für eine ausgedehnte Pause.

Mein Wanderteam

Wir schauen einem vermutlich etwas unglücklichen Gleitschirmflieger zu. Der ist knapp unterhalb des Alpschelegrates in einiger Entfernung von uns gelandet. Wir wissen natürlich nicht, wieso. Es wirkte aber nicht so richtig planvoll. Wenigstens konnten wir uns keinen passenden Plan denken. Und er musste dann auch ein paar Meter ansteigen, seinen Schirm ausbreiten, sich selbst sortieren, und nach 10 Minuten hat er dann den erneuten Start geschafft. Viel Glück für ihn!

Wir selbst schauen mit etwas Sorge nach vorne, die ersten Meter des weiteren Weges sehen sehr steil aus und danach bricht das Gelände ab. Kann man da überhaupt gehen? Die zögerlichen Schritte einer Wandergruppe vor uns tragen nicht zur Erhellung bei. So müssen wir halt selbst nachschauen, und siehe da – es geht. Viele kleine Tippelschritte später ist das Steilstück geschafft und ab da geht’s über schöne Wiesen langsam bergab, bis wir bei „I de Schrickmatte“ auf einen Wirtschaftsweg treffen. Mitsamt Bauer, das ist immer wieder erstaunlich, dass sie hier wirklich überall ihre alte bäuerliche Landwirtschaft irgendwie am Leben halten.

Wir folgen dem Fahrweg zum Berghaus Bonderalp, wo wir einen schönen Nachmittag auf der Terrasse verbringen. Erst in der Sonne, später bei im Trockenen bei Regen, Sturm und Hagel warten wir auf die Halbpension und unser Matratzenlager.

Das Berghaus Bonderalp

Und sehen am Ende noch ein ganz außergewöhnliches Bergleuchten nach dem Unwetter. Selbst die Wirtsfamilie ist vors Haus gerannt, um das zu fotografieren.

Rückblick zum Hohtürl mit Blümlisalphütte

Und wir sind froh, so leicht gestartet zu sein. Der Tag war genau richtig, wie er war.

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