Manche Entdeckungen verdanken wir den unwahrscheinlichsten Umständen, zum Beispiel den Waden meiner Schwägerin. So war es auf der Etappe heute. Randnotiz: in einem Chat käme jetzt ein Smiley. Denn es war schon ab 13 Uhr Regen mit Gewitterneigung angesagt, und da wollten wir nicht auf dem Berg sein. Die Alternativen waren: sehr schnell gehen und 13 Uhr buchstäblich über den Berg sein. Oder mit der Seilbahn auf den Nachbarberg rauf und von dort zum eigentlichen Weg queren. Die Entscheidung für die Seilbahn trafen dann die von den Vortagen etwas strapazierten Waden.
Und das bescherte uns eine tolle Gratwanderung. Die ersten Meter ab Bergstation Leiterli auf dem laut Flyer „für geländegängige Kinderwagen geeignetem“ Weg verliefen über die regionaltypischen Almen bei bestem Sonnenschein und angenehm frischer Höhenluft.

Aber sehr kamen die eigentlichen Sehenswürdigkeiten in den Blick. Einerseits der verkarstete Höhenzug um den Berg Stübleni, diese Formation heißt hier Gryden. Über diesen Höhenzug verlief unser Weg.

Andererseits befanden wir uns auf einem grandiosen Aussichtsbalkon auf den Gebirgsstock um Wildstrubel und Wildhorn, der hier die Grenze zum Wallis markiert.

Man ahnt vielleicht die moorige Vegatation hier, es finden sich Heidekraut, Blaubeeren, Moorgrase, in zwei kleinen Kratern haben wir sogar kleine Tümpel vorgefunden. Sehr romantisch, muss ich da mal sagen. Der Weg schlängelt sich hier durch kleine Felsen, Kratern und Abbrüchen an der Flanke des Stübleni hinauf bis zum Grat Richtung Trütilispass. Das dauerte von der Bergstation ungefähr eine Stunde, ist also sehr überschaubar. Oben angekommen, findet sich ein Hinweisschild, was uns zwar sehr nahe legt, auf dem Grat weiterzugehen. Aber auch auf die erforderlichen Trittsicherheit und Schwindelfreiheit hinweist. Wir lassen uns nicht abschrecken. Und im übrigen erweist sich der Pfad eher als Einsteigermodell in Sachen Schwindelfreiheit und ist für uns gut machbar.
Aber wild wars hier. Der ganze Grat ist voller kleiner steiler Krater, einen Eindruck mag das Bild liefern. Der hier war ca. 5 m tief und wie auch immer ist ein genau passender runder kleiner Felsblock in in reingefallen.

Und solche Krater reihen sich dicht an dicht, manchmal nur von pfadbreiten Wiesenstegen getrennt, über die sich der Weg entlangschlängelt. Und so ging das bestimmt 20 Minuten weiter, von Krater zu Krater, und an der Seite gings an der einen oder anderen Stelle doch auch mal mehr als 50 Meter runter. Ein kleines Abenteuer, mit dem wir nicht gerechnet hatten.

Wenige Meter später kam dann der Trütlisbergpass, den wir ja wie gesagt im Trockenen erreichen wollten. Das gelang, aber es hingen inzwischen ziemlich dunkle Wolken über dem Wildhorn und so sind wir schnurstracks abgestiegen, wieder in Richtung Zivilisation. Der Regen fing dann auch wie vorhergesagt 13 Uhr an, auch ein Gewittergrollen war zweimal zu hören, wir alle in die Regenklamotten – und da hörte der Regen auch schon wieder auf. Nun ja, so ist es halt.
Wir waren dann schon vor 14 Uhr in Lauenen und haben es uns auf der Terrasse des wunderbaren urigen Hotels Wildhorn gemütlich gemacht. War ja auch der letzte Tag mit Nichte und Schwägerin, sie müssen morgen leider wieder nach Hause.
