Der Tag setzt in der Morgenfrische die vorige Etappe mit einem wunderbaren sanften Anstieg über eine Schrofenhochfläche fort, also einer mit Wiese durchsetzen Felslandschaft voller kleine Spalten, Brüche, Felsbrocken und Flora und Fauna voller Leben.

Der Wanderer tritt hier im Grunde von Stein zu Stein, von Fels zu Fels wie ein Tänzer durch ein flaches Bachbett, was ziemlich Spaß macht. Und zur Belohnung gibt es eine kleine Kletterstelle, die die erste Herausforderung des Tages darstellt. Links in der Verschneidung geht es hoch, ich habe zweimal hingeschaut, ob das wirklich der Weg ist:

Und von oben dann nochmal geschaut, ob er’s wirklich war. Sah ganz so aus. Die andere Herausforderung des Tages war dann schon happiger, der Abstieg Richtung Lac de Godey ist stellenweises ganz schön knackig. Der Weg führt über mindestens 200 Höhenmeter in kleinen, schmalen, steilen und gerne auch mal rutschigen Serpentinen hinab. In einem sehr schmalen Einschnitt im Felsen ist er dann ziemlich lange versichert und an einer Stelle sogar verleitert:

Diese Versicherung macht Sinn. Es ist für mich nicht nur ein Handlauf, um mich besser zu fühlen. Ich habe mich an ziemlich vielen Stellen einfach in die Kette gehängt, um den nächsten Tritt zu finden. Ein bißchen Klettererfahrung hilft. Und weiter unten musste ich an viele Stellen sehr genau überlegen, wo der nächste Tritt hinkommt. Und Vertrauen in die Rutschfestigkeit der Schuhsohlen war auch gefordert. Das fällt mir nicht so leicht. Aber spektakulär ist es halt schon, wie vielleicht zu ahnen ist.

Und irgendwann ist es ja auch geschafft, die letzten Kilometer waren wieder angemessen idyllisch.

Und ich war schon 14 Uhr in der Refuge du Lac de Derborence. Im Grunde hätte ich auch noch zur nächsten Unterkunft gehen können, Zeit und Energie wäre gewesen. Vielleicht buche ich beim nächsten Mal keine Unterkünfte mehr vorab, das macht flexibler bei der Tageseinteilung. Riskiert aber natürlich, keinen Platz zu kriegen. Wäre ein Versuch wert.

Grützi oder wahlweise Bonjour