Am Regen gescheitert, oder ?

Heute war nicht mein Tag. Plan war ein fünfstündiger Aufstieg auf den 2615m hohen Col des Martinets vor nebst anschließender langer Querung auf Felsenbändern bis zum letzten Anstieg zur Hütte, noch einmal eine Stunde. Alles nicht so wild, es war aber Regen vorhergesagt und so war ich mir überhaupt nicht sicher, ob das eine gute Idee ist. Zumal ich keine eindeutigen Infos über den Zustand der Wege kriegen konnte. Aber dagegen entscheiden konnte ich mich auch nicht, ich hätte ja durchs Tal nach Martigny gehen können. Die Wettervorhersage hatte bis auf wenige Stunden am Mittag durchgängig Regen vorhergesagt, die traf aber in den letzten Tagen auch nicht immer zu.

Also stand ich morgens vor der Unterkunft im Regen vor einer Infotafel mit allen Wanderwegen, der Regen war gar nicht so stark, und so dachte ich: schauen wir mal und bin Richtung Berg.

Das Naturschutzgebiet Vallon de Nants

Das ging (mit Regenschirm!) erst auch ziemlich gut durch das relativ flache Tal. Aber der Pfad wurde schmaler, schwerer zu finden und Schuhe und Hose wurden so nach und nach nass. Immer noch nicht so wild. Aber irgendwann stellte ich fest, eine Abzweigung übersehen zu haben und 20 Minuten in die falsche Richtung angestiegen zu sein. Also wieder runter und auf den richtigen Pfad. Der führte in engen Serpentinen durch dichtes Buschwerk die erste Steilstufe hoch. Der Pfad war wirklich nur ein Fuß breit, also musste ich mich durch bis zu brusthoch klitschnasse Pflanzen wühlen. Und der Pfad war zum Bach mutiert, also auch die Füße im Wasser. Und so nach einer Stunde stand ich auch noch im Nebel. Ich schau aufs Handy: kein Netz. Also auch keinerlei Hinweis darauf, ob der Regen wie angekündigt zwischendrin aufhört oder nicht. Und kein einziger Wanderer in Sicht, kein Notabstieg, keine Schutzhütte, nichts. Da dachte ich dann: ok, ich hab’s versucht. Also Regenschirm weg, Regenjacke an, Hut auf, Stöcke geschnappt und alles wieder zurück. Seufz.

Und kaum war ich 5 Minuten abgestiegen, kam mir natürlich einer entgegen. Wir haben kurz gequatscht und dann ist er weiter. Das war mir so peinlich. Also doch Wanderweichei. Später kamen mir zwei weitere Wanderer entgegen, mit denen wollte ich gar nicht reden. Ich habe sie allerdings später wieder getroffen, unten im Tal. Die waren auch umgekehrt, und zwar weil sie sich weiter oben verlaufen hatten und beim besten Willen den Weg nicht mehr fanden. Hat mich nicht wirklich getröstet.

Wenigstens kam dann kurz die Sonne raus und ich konnte noch den Alpinpflanzengarten am Pont de Nant anschauen.

Jardin botanique alpin La Thomasia

Erinnert stark an das Alpinabteil des Berliner Botanischen Gartens, aber kleiner, kompakter, liebevoller und vor allem da wo es hingehört. In die Alpen. Gelernt habe ich jedoch nichts, die Schilder erklären alles natürlich auf Französisch.

Kleine Bergchen sind mit typischen Pflanzen bepflanzt, von den einheimischen Alpen bis zu den japanischen Bergen

So wurde es dann eine zweite Übernachtung in der Auberge Pont de Nant. Die kochen gut (man wirbt mit 15 Mützen des GaultMillau, was auch immer das heißt) und in Restaurant und Zimmer habe ich mich richtig wohl gefühlt. Spätnachmittag setzte wieder der Regen ein und hörte bis jetzt nicht auf.

2 Gedanken zu „Am Regen gescheitert, oder ?“

  1. Alles richtig gemacht – hoffentlich ist der erste Wanderer noch verschollen?! Oder er ist heimlich, still und leise wieder abgestiegen.

  2. Hallo Christian,

    Sei getröstet, ich sitze nun schon den zweiten Tag auf meiner Hirtenhütte fest.

    Immer in den Wolken, Sichtweite maximal 30 – 50 Meter und permanent Regen.

    Als Beschäftigung habe ich alles verfügbare Holz von Hand gesägt, da die Kettensäge defekt ist. Die Nächstliegende bewirtschaftete Hütte ist 1,5h Gehzeit, ohne befestigten Weg entfernt, bei dem Wetter keine Chance.

    Bleib tapfer!

    Berg heil vom Holm🙋🏻‍♂️

    PS: Klasse berichtet, bislang

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