Wandermaschine

Die geplante Doppeletappe stellte sich als Monsteretappe heraus, aber ich habe sie wohlbehalten überstanden. Hätte ich nicht gedacht.

Als es morgens kurz nach 7 losging, hing der Nebel im Tal, alles war feucht, und der einzige Unterschied zu gestern war der fehlende Regen. Und in der ersten Steilstufe floss der Bach nicht mehr den Weg herunter. Man rechnete jedoch mit einem Aufklaren zur Mittagszeit, und insofern war ich zuversichtlich. Kurzer Spoiler: ich bin fast den ganzen Tag im Nebel gegangen, Sichtweite manchmal nur 10 m, Aufklaren war nur sporadisch. Zweiter Spoiler: es stellte sich als so was von richtig raus, gestern im Regen umgekehrt zu sein. Diesen Weg hätte ich mir im Regen nie und nimmer zugetraut.

Aber von vorne, zunächst stand der Anstieg auf die Passhöhe Col des Martinets auf dem Programm, immerhin ca 1.400 Höhenmeter in 4 Stunden. Ich kannte ja den Weg bis zur Steilstufe schon, der war im Weiteren auch ohne Regen ziemlich mühsam. Ganz unregelmäßig, rutschige Matschabschnitte, zugewuchert und wegen des Nebels überhaupt kein Ende in Sicht. Der anschließende Rest war einfacher zu gehen, über ziemlich bunten Blockschutt …

Im Anstieg zum Col des Martinets

… und die Sonne kam auch raus. Oben hab ich sogar ein Brockengespenst gesehen, war mit der Kamera aber leider nicht schnell genug. Ein Stück Halo sieht man auf dem Titelbild oben. Nebenbei bemerkt: außer dem Brockengespenst und drei Schäfern habe ich auf dieser Etappe überhaupt niemand gesehen. Nicht einen Wanderer, nichts. Gehört nur mal einen Steinschlag, und das Läuten der Schafe. Die haben hier nämlich auch eine Glocke um den Hals wie die Kühe. Im Gegensatz zu letzteren können Schafe sich benehmen und gehen aus dem Weg, wenn der Wanderer kommt. Hatte ich heute zweimal. Das war süß, wie mir eine kleine Gruppe auf einem breiten Fahrweg entgegen kam und trotzdem ins steile Gras ausgewichen ist. Während ich bei den Kühen notgedrungen eine kleine Meisterschaft erworben habe, mich durch die Herden durchzuschlängeln und keiner zu nahe zu kommen. Aber das nur am Rande.

Als ich also oben auf dem Pass stand, kamen die Probleme: keine Spur von aufklarendem Himmel auf der anderen Seite, alles im Nebel (sonst hätte man ja kein Brockengespenst gesehen). Und viel schlimmer: der direkte Weg weiter war als blauer Alpinsteig ausgewiesen. Das bedeutet, sehr schwer zu gehen, es gibt Kletterstellen, man möge Seil und Pickel dabei haben und überhaupt sehr erfahren sein. Hm. Alleine und im Nebel habe ich diese Option sofort gestrichen. Also dem ausgewiesenen Umweg folgen, und der hatte es auch in sich.

Übergang zum Col des Perris Blancs

Das ging jetzt im Grunde die nächsten 3 Stunden so weiter, nicht nur auf der Umleitung, sondern vor allem auch auf dem geplanten Weg.

Querung im Abstieg zur Cabane de la Tourche

Die versprochene Aussicht übers Rhonetal bis hin zu Mont Blanc fiel mangels Nebel aus. Ich konnte aber schon abschätzen, wie steil das Gelände war. Ist ja doch interessant, ob Absturzgefahr besteht oder nicht. Ich hab dann immer darauf vertraut, dass man den nächsten Tritt schon sieht, wenn man direkt davor steht. Das war dann auch so. Aber aus der Ferne sieht man den oft nicht und fürchtet sich vor der unmöglich scheinenden Passage.

Aus der Ferne abenteuerlich, in der Nähe gut gehbar

Ziemlich viele kritische Stellen waren versichert, also mit Ketten- oder Drahtseilgeländer versehen. Und so stellte sich der Weg für mich als gangbar heraus, auch wenn ich mich beträchtlich konzentrieren musste. Aber geschafft ist geschafft, und am Ende fand ich’s toll.

Bemerkenswert – das ist mir irgendwann aufgefallen – dass ich den ganzen Tag an nichts gedacht habe. Ich bin zur Wandermaschine mutiert. Die Gedanken kreisen nur noch um den nächsten Tritt, gehe ich zu schnell oder zu langsam, sollte ich die Jacke ausziehen oder nicht, die Stöcke benutzen oder nicht und vielleicht noch um die Frage, ob ich den Weg wirklich gehen soll wie geplant, oder zwischendrin aussteigen, oder oben auf der Hütte übernachten und nicht noch ins Tal absteigen … Das war’s. Der Nebel hilft dabei, man sieht ja nichts anderes außer den Weg.

Als Wandermaschine war irgendwann auch klar, dass ich wie geplant absteigen werde. Das macht den Tag lang, aber ich wollte einfach nicht schon in einem Schlafsaal mit möglicherweise nur Kaltwasserduschen und was auch immer schlafen. Die Etappe sollte erledigt sein, und so bin ich nicht in die Hütte eingekehrt

Col du Demècre nebst Cabane

Das ging auch ziemlich gut, weil die abwärts führenden Wege einfach zu gehen waren. So kam ich 17:30 bei der Seilbahn an, die mich 17:40 ins Tal gebracht hat, wo 17:57 der Bus nach Martigny kam. Die Schweiz ist manchmal schon toll.

Aber: die Seilbahn. Alt, klein, steil, oben kein Bediener dabei, man drückt wie im Fahrstuhl einen Knopf, wohin man möchte, und eine Minute vor Abfahrtzeit geht die Tür auf. Und sie hat die ganze Zeit wegen des starken laut pfeifenden Windes geschwankt. Ich musste mir aktiv Vertrauen in die Schweizer einreden, es war … speziell. Aber sie hat mir weitere 2 Stunden Abstieg gespart, und darum bin ich wahnsinnig dankbar.

Die Téléphérique Dorenaz

Ach ja: wer es immer schon wissen wollte: die elektrischen Zäune der Weiden zwicken bei Berührung. Intensität vergleichbar einem Mückenstich. Ein Bauer hatte den Durchgang seines Weidezauns so dämlich an einem steilen Wegstück platziert, dass ich mich beim Schließen desselben darauf konzentrieren musste, nicht vom Weg abzurutschen. Aber nicht darauf konzentrieren konnte, mich vom geladenen Zaun fernzuhalten.

Und einmal hab ich auch komplett blauen Himmel gesehen.

Am Regen gescheitert, oder ?

Heute war nicht mein Tag. Plan war ein fünfstündiger Aufstieg auf den 2615m hohen Col des Martinets vor nebst anschließender langer Querung auf Felsenbändern bis zum letzten Anstieg zur Hütte, noch einmal eine Stunde. Alles nicht so wild, es war aber Regen vorhergesagt und so war ich mir überhaupt nicht sicher, ob das eine gute Idee ist. Zumal ich keine eindeutigen Infos über den Zustand der Wege kriegen konnte. Aber dagegen entscheiden konnte ich mich auch nicht, ich hätte ja durchs Tal nach Martigny gehen können. Die Wettervorhersage hatte bis auf wenige Stunden am Mittag durchgängig Regen vorhergesagt, die traf aber in den letzten Tagen auch nicht immer zu.

Also stand ich morgens vor der Unterkunft im Regen vor einer Infotafel mit allen Wanderwegen, der Regen war gar nicht so stark, und so dachte ich: schauen wir mal und bin Richtung Berg.

Das Naturschutzgebiet Vallon de Nants

Das ging (mit Regenschirm!) erst auch ziemlich gut durch das relativ flache Tal. Aber der Pfad wurde schmaler, schwerer zu finden und Schuhe und Hose wurden so nach und nach nass. Immer noch nicht so wild. Aber irgendwann stellte ich fest, eine Abzweigung übersehen zu haben und 20 Minuten in die falsche Richtung angestiegen zu sein. Also wieder runter und auf den richtigen Pfad. Der führte in engen Serpentinen durch dichtes Buschwerk die erste Steilstufe hoch. Der Pfad war wirklich nur ein Fuß breit, also musste ich mich durch bis zu brusthoch klitschnasse Pflanzen wühlen. Und der Pfad war zum Bach mutiert, also auch die Füße im Wasser. Und so nach einer Stunde stand ich auch noch im Nebel. Ich schau aufs Handy: kein Netz. Also auch keinerlei Hinweis darauf, ob der Regen wie angekündigt zwischendrin aufhört oder nicht. Und kein einziger Wanderer in Sicht, kein Notabstieg, keine Schutzhütte, nichts. Da dachte ich dann: ok, ich hab’s versucht. Also Regenschirm weg, Regenjacke an, Hut auf, Stöcke geschnappt und alles wieder zurück. Seufz.

Und kaum war ich 5 Minuten abgestiegen, kam mir natürlich einer entgegen. Wir haben kurz gequatscht und dann ist er weiter. Das war mir so peinlich. Also doch Wanderweichei. Später kamen mir zwei weitere Wanderer entgegen, mit denen wollte ich gar nicht reden. Ich habe sie allerdings später wieder getroffen, unten im Tal. Die waren auch umgekehrt, und zwar weil sie sich weiter oben verlaufen hatten und beim besten Willen den Weg nicht mehr fanden. Hat mich nicht wirklich getröstet.

Wenigstens kam dann kurz die Sonne raus und ich konnte noch den Alpinpflanzengarten am Pont de Nant anschauen.

Jardin botanique alpin La Thomasia

Erinnert stark an das Alpinabteil des Berliner Botanischen Gartens, aber kleiner, kompakter, liebevoller und vor allem da wo es hingehört. In die Alpen. Gelernt habe ich jedoch nichts, die Schilder erklären alles natürlich auf Französisch.

Kleine Bergchen sind mit typischen Pflanzen bepflanzt, von den einheimischen Alpen bis zu den japanischen Bergen

So wurde es dann eine zweite Übernachtung in der Auberge Pont de Nant. Die kochen gut (man wirbt mit 15 Mützen des GaultMillau, was auch immer das heißt) und in Restaurant und Zimmer habe ich mich richtig wohl gefühlt. Spätnachmittag setzte wieder der Regen ein und hörte bis jetzt nicht auf.

Pas de problème

Das waren die Worte des Wirts der Refuge de Lac de Derborence auf die Frage, ob diese Etappe bei Regen gangbar sei. War sie, aber man muss schon Matsch mögen, der sich nach drei Schritten massiv an die Sohlen klebt. Und Kalkstein, der im Unterschied zum hier zum Glück vorherrschenden Gneis (Urgestein nennt das ein geschätzter Zillertaler Bergführer) bei Nässe schnell rutschig wird. Aber da der von den Wetterdiensten und -fröschen einschließlich eben dieses Wirts zu verschiedensten Zeiten vorhergesagte Regen sich letztlich nur als anhaltender Niesel entpuppte, und da trotz steiler Passagen am Weg keine Absturzgefahr bestand, war der Tag tatsächlich kein Problem. Und ich habe auf die Busumfahrung verzichtet.

Allerdings gibt es auch nicht viel zu berichten. Auffällig waren die vielen, vielen Salamander auf dem Weg. Falls es sich bei diesen schwarzen Eidechsen denn um Salamander handelt:

Nennen wir sie Salamander

Beim ersten dachte ich noch, was für ein außergewöhnliches Glück ich habe. Beim ungefähr 50ten am Ende der Etappe hatte sich die Begeisterung etwas gelegt. Komischerweise haben sich fast alle Salamander angesichts des Wanderers überhaupt nicht bewegt. Es scheint mir keine sonderlich erfolgversprechende Taktik zu sein, bei der Annährung eines riesigen überlebensgroßen Wanderschuhs einfach nichts zu tun. Und die wenigen, die die Flucht ergriffen, taten das in einer bemitleidenswerten Langsamkeit. Da hilft die Flucht auch nicht. So habe halt ich auf sie aufgepasst.

Und dann habe ich festgestellt, nicht alleine mit Regenschirm unterwegs zu sein. Auch wenn Regenschirm nach Weichei und nicht nach Globetrotterstammkunde aussieht und nicht wirklich bergstylisch ist. Regenschirm funktioniert halt. Und so hab ich mich über den kleinen türkisfarbenen Punkt auf der Hochebene vor Anzeinde gefreut.

Wer sieht den Regenschirm?

Der Rest des wieder ziemlich kurzen Tages bestand aus Grün vor Wolken vor Grau, also so …

Im Abstieg vom Col des Esssets

… oder so:

Tal oberhalb Pont de Nant

Das war’s dann schon.

Kurz und knackig

Der Tag setzt in der Morgenfrische die vorige Etappe mit einem wunderbaren sanften Anstieg über eine Schrofenhochfläche fort, also einer mit Wiese durchsetzen Felslandschaft voller kleine Spalten, Brüche, Felsbrocken und Flora und Fauna voller Leben.

Wie auch immer sie heißen

Der Wanderer tritt hier im Grunde von Stein zu Stein, von Fels zu Fels wie ein Tänzer durch ein flaches Bachbett, was ziemlich Spaß macht. Und zur Belohnung gibt es eine kleine Kletterstelle, die die erste Herausforderung des Tages darstellt. Links in der Verschneidung geht es hoch, ich habe zweimal hingeschaut, ob das wirklich der Weg ist:

Blick auf das Tal bei Gsteig

Und von oben dann nochmal geschaut, ob er’s wirklich war. Sah ganz so aus. Die andere Herausforderung des Tages war dann schon happiger, der Abstieg Richtung Lac de Godey ist stellenweises ganz schön knackig. Der Weg führt über mindestens 200 Höhenmeter in kleinen, schmalen, steilen und gerne auch mal rutschigen Serpentinen hinab. In einem sehr schmalen Einschnitt im Felsen ist er dann ziemlich lange versichert und an einer Stelle sogar verleitert:

Im Abstieg nach Lac de Godey

Diese Versicherung macht Sinn. Es ist für mich nicht nur ein Handlauf, um mich besser zu fühlen. Ich habe mich an ziemlich vielen Stellen einfach in die Kette gehängt, um den nächsten Tritt zu finden. Ein bißchen Klettererfahrung hilft. Und weiter unten musste ich an viele Stellen sehr genau überlegen, wo der nächste Tritt hinkommt. Und Vertrauen in die Rutschfestigkeit der Schuhsohlen war auch gefordert. Das fällt mir nicht so leicht. Aber spektakulär ist es halt schon, wie vielleicht zu ahnen ist.

Im Abstieg nach Lac de Godey

Und irgendwann ist es ja auch geschafft, die letzten Kilometer waren wieder angemessen idyllisch.

Pfad oberhalb Lac de Godey

Und ich war schon 14 Uhr in der Refuge du Lac de Derborence. Im Grunde hätte ich auch noch zur nächsten Unterkunft gehen können, Zeit und Energie wäre gewesen. Vielleicht buche ich beim nächsten Mal keine Unterkünfte mehr vorab, das macht flexibler bei der Tageseinteilung. Riskiert aber natürlich, keinen Platz zu kriegen. Wäre ein Versuch wert.

On parle français

Der erste lange Tag mit fast 20 Kilometern Strecke und 1500 Höhenmetern begann wie immer in der Frühe und wie immer war ab 16 Uhr Regen angesagt. Es sei vorausgeschickt: am Ende haben sowohl das Wetter als auch ich gehalten. Und meine Erwartung eines langweiligen, weil einsamen Tages ohne Wanderteam wurde aufs schönste enttäuscht.

Das ganze ging schon auf der kurzen Etappe nach Gsteig los, nach einigen Minuten sehe ich dort:

Sanierung 2.0

Erst hab ich’s nicht gesehen, aber das Haus steht ja komplett in der Luft. Unten drunter steht ein Bagger, man baut offensichtlich eine ziemlich große Garage, Unterkellerung, was auch immer unter dem Haus. Es ist bis auf die alte Holzkonstruktion entkernt, man hat Stahlträger drunter geschoben, es bleibt aber an Ort und Stelle. Das ist schon cool.

Der folgende Anstieg durch Wiesen und Wald war in der Morgenfrische noch sehr angenehm. Es dauerte auch nicht so lange und auf der anderen Seite war es auf Wirtschaftswegen wieder mal ausgesprochen entspannt und ich konnte die Aussicht genießen:

Blick auf das Tal bei Gsteig

Ich muss zugeben, ich kam ins Zweifeln. Das hatte ich die Tage schon mal. Der Ort lag wie eine Wegscheide vor mir. Geradeaus hinter dem Dorf einfach weiter geht’s wieder aus den Alpen raus, ins mittelgebirgige Hügelland. Links aber geht’s hoch in die Felsen. So meine Idee von Berlinnizzaplus. Aber die Aussicht, noch wochenlang immer nur steil bergauf oder steil bergab zu gehen, unten Dörfer und Wiesen, dann der Wald, dann die Almen, dann der Schotter, oben über den Pass und das ganze rückwärts abgespult bis ich wieder unten im Tal bin … fühlte sich ziemlich ermüdend an. Wie schön können doch die angenehmen Mittelgebirge sein und man kommt ja auch über Jura und Provence nach Nizza. Aber Idee ist Idee und so bin ich links abgebogen auf die nächste Etappe. Mal sehen was da noch alles kommt.

Nach Gsteig wartet die Herausforderung des Tages, 800m hoch zum Sanetsch-Stausee. Wieder mal gibt’s auch eine Seilbahn. Aber als ich die gesehen habe, dachte ich nur „Ach du S***, ich gehe zu Fuß“. Drei dünne Seile fast senkrecht, das ist was für Mutige. So bin ich hoch und zu meiner Überraschung war auf dem Weg ziemlich viel Betrieb. Mountainbiker abwärts, Rentner abwärts, Trailrunner aufwärts, junge Wanderer in beide Richtungen mit und ohne Hund. Obwohl es ein ausgesprochen alpiner aber gut begebarer Weg war – ich hatte eigentlich Einsamkeit erwartet.

Aufstieg zum Sanetschsee

Und kaum war ich oben, wusste ich, wo der Betrieb herkam – Autos. Der Pass ist von der anderen Seite aus per Auto erreichbar und ein lohnendes Tagesziel für Ausflügler. Das ist mir schon mal in Südtirol passiert, zu Beginn meiner Wanderkarriere. Wir hatten unseren Anfängermut zusammengenommen, einen steilen durch Fels führenden Weg aus dem Tal auf die Seiseralm genommen, und als wir kletternd über die oberste Felskante geschaut haben, schauten wir auf Rentnersandalen. Die waren einfach mit dem Bus gekommen. So ähnlich wars auch hier.

Sanetsch-Stausee / Lac de Sénin

Eigentlich ist der Pass auch nicht nur ein Pass, sondern eine kleine Hochebene. Der See ist eh flach und das Gelände dahinter steigt über einige Kilometer nur sehr wenig. Viele gehen einfach um den See, essen in der außergewöhnlichen, guten Gaststätte. Oder man macht’s ganz klassisch: Auto parken, maximal 10 m entfernen, Tisch aufbauen, Picknick drauf, chillen.

Und was mich noch überrascht hat: es gibt hier anscheinend eine ganz scharfe Sprachgrenze. Kaum war ich auf dem Anstieg zum See, höre ich nur noch Französisch und sonst nichts. So wie ich im deutschsprachigen Teil der Schweiz niemand französisch sprechen höre, so spricht jetzt niemand deutsch. Es scheint auch kaum einer die jeweils andere Sprache zu beherrschen, jedenfalls hilft mir mein Deutsch kaum noch. C’est la vie! Ich werde mir schnell die wichtigsten französischen Redewendungen draufschaffen.

Am Nachmittag muss ich dann bis zu meiner Unterkunft noch etwas weiter und werde mit den auftauchenden Walliser 4000ern belohnt, zu meiner Begeisterung mitsamt Dufourspitze:

Die Walliser 4000er

Die Dufourspitze ist für mich was besonderes. In meiner kurzen Bergsteigerkarriere war sie exakt das Ziel, das ich (und eigentlich wir) uns so gerade eben nicht zugetraut haben. Wir waren auf praktisch allen Gipfelchen des Monte Rosa, aber eben nicht auf dem höchsten Berg der Schweiz. Und da ich mich gerade auf den Weg nach Nizza konzentriere, ich also nicht in die großen Höhen komme und damit meine Unsicherheit auf den Gletschern bleibt, wird das mit mir und der Dufourspitze wohl auch nichts mehr. Da passt es bestens ins Bild, dass der Berg vor mir dann doch gar nicht die Dufourspitze ist, sondern sich als Dent Blanche entpuppt.

Kraterslalom

Manche Entdeckungen verdanken wir den unwahrscheinlichsten Umständen, zum Beispiel den Waden meiner Schwägerin. So war es auf der Etappe heute. Randnotiz: in einem Chat käme jetzt ein Smiley. Denn es war schon ab 13 Uhr Regen mit Gewitterneigung angesagt, und da wollten wir nicht auf dem Berg sein. Die Alternativen waren: sehr schnell gehen und 13 Uhr buchstäblich über den Berg sein. Oder mit der Seilbahn auf den Nachbarberg rauf und von dort zum eigentlichen Weg queren. Die Entscheidung für die Seilbahn trafen dann die von den Vortagen etwas strapazierten Waden.

Und das bescherte uns eine tolle Gratwanderung. Die ersten Meter ab Bergstation Leiterli auf dem laut Flyer „für geländegängige Kinderwagen geeignetem“ Weg verliefen über die regionaltypischen Almen bei bestem Sonnenschein und angenehm frischer Höhenluft.

Die typischen Sommerbewohner am Leiterlinc

Aber sehr kamen die eigentlichen Sehenswürdigkeiten in den Blick. Einerseits der verkarstete Höhenzug um den Berg Stübleni, diese Formation heißt hier Gryden. Über diesen Höhenzug verlief unser Weg.

Die Gryden

Andererseits befanden wir uns auf einem grandiosen Aussichtsbalkon auf den Gebirgsstock um Wildstrubel und Wildhorn, der hier die Grenze zum Wallis markiert.

Welche Berge auch immer das genau sind, sie beeindrucken

Man ahnt vielleicht die moorige Vegatation hier, es finden sich Heidekraut, Blaubeeren, Moorgrase, in zwei kleinen Kratern haben wir sogar kleine Tümpel vorgefunden. Sehr romantisch, muss ich da mal sagen. Der Weg schlängelt sich hier durch kleine Felsen, Kratern und Abbrüchen an der Flanke des Stübleni hinauf bis zum Grat Richtung Trütilispass. Das dauerte von der Bergstation ungefähr eine Stunde, ist also sehr überschaubar. Oben angekommen, findet sich ein Hinweisschild, was uns zwar sehr nahe legt, auf dem Grat weiterzugehen. Aber auch auf die erforderlichen Trittsicherheit und Schwindelfreiheit hinweist. Wir lassen uns nicht abschrecken. Und im übrigen erweist sich der Pfad eher als Einsteigermodell in Sachen Schwindelfreiheit und ist für uns gut machbar.

Aber wild wars hier. Der ganze Grat ist voller kleiner steiler Krater, einen Eindruck mag das Bild liefern. Der hier war ca. 5 m tief und wie auch immer ist ein genau passender runder kleiner Felsblock in in reingefallen.

Einer der Krater hat einen Stein gefangen

Und solche Krater reihen sich dicht an dicht, manchmal nur von pfadbreiten Wiesenstegen getrennt, über die sich der Weg entlangschlängelt. Und so ging das bestimmt 20 Minuten weiter, von Krater zu Krater, und an der Seite gings an der einen oder anderen Stelle doch auch mal mehr als 50 Meter runter. Ein kleines Abenteuer, mit dem wir nicht gerechnet hatten.

Kraterslalom vom Stübleni zum Trütlisbergpass

Wenige Meter später kam dann der Trütlisbergpass, den wir ja wie gesagt im Trockenen erreichen wollten. Das gelang, aber es hingen inzwischen ziemlich dunkle Wolken über dem Wildhorn und so sind wir schnurstracks abgestiegen, wieder in Richtung Zivilisation. Der Regen fing dann auch wie vorhergesagt 13 Uhr an, auch ein Gewittergrollen war zweimal zu hören, wir alle in die Regenklamotten – und da hörte der Regen auch schon wieder auf. Nun ja, so ist es halt.

Wir waren dann schon vor 14 Uhr in Lauenen und haben es uns auf der Terrasse des wunderbaren urigen Hotels Wildhorn gemütlich gemacht. War ja auch der letzte Tag mit Nichte und Schwägerin, sie müssen morgen leider wieder nach Hause.

Panoramawandern

Der zweite Tag, vom Unwetter ist nichts mehr zu sehen und wir brechen halbwegs früh auf. Ab 16 Uhr ist wieder Gewitter angesagt und wir haben eine unschwierige aber eher lange Etappe vor uns.

Im Hintergrund der Wildstrubel

In der Ferne grüßt der Wildstrubel, einer der wenigen Berge, auf dem ich tatsächlich mit meinen Bergsteigerfreunden nebst Bergführer schon mal war. Sieht von hier aus nicht so schwierig aus, ist er auch nicht, aber man quert einen vergleichsweise großen Gletscher und mit denen werde ich nicht so richtig Freund. Es fehlt auf dem rutschigen Eis einfach der Griff zum Festhalten. Sei’s drum.

Der Weg führt aus dem Ort an einem Bach entlang langsam, stetig, aber wenig steil nach oben. Es ist sonnig, es ist noch etwas frisch, und der Tag ist einfach schön. Wir sind nicht alleine unterwegs. Vor uns geht geraume Zeit eine ziemlich große Gruppe Jugendlicher und wir wundern uns schon, dass sie sich auf den stundenlangen Weg zum Pass hoch machen. Tun sie dann auch nicht, auf dem Weg liegt ein ungleich attraktiverer Klettergarten, der ihr Ziel war. Wir gehen weiter, und ja, wir gehen. Auch wenn es Alternativen gibt:

Seilbahn nach Bergläger

Oberhalb einer kleinen Siedlung namens Geils (mit Gasthaus und Bus, wie sich das hier gehört) kommen wir auf das offene Wiesengelände unterhalb des Hahnenmosspasses. Und weil wir ab hier auf dem Fahrweg zur Passhöhe wandern, haben wir viel viel Zeit, uns umzuschauen. Und es lohnt sich.

Panorama auf dem Weg zum Hahnemoospass

Aber auch hier sind wir nicht allein, man fährt hier Roller. Die heißen hier Trottinett, man mietet sie sich an der Seilbahn und fährt dann die 300 Höhenmeter runter. Manche kommen uns auf unserem Anstieg gleich zweimal entgegen. Und mancher macht den Eindruck, die Sache nicht so ganz im Griff zu haben und rast schreiend auf uns zu. Er hat dann aber doch noch die Bremse gefunden.

Am Pass angekommen, gönnen wir uns erstmal eine Mittagpause mit Vesper im sehr schicken und gut kochenden Berghotel. Die Füsse dürfen mal aus den Schuhen raus, und auf Empfehlung der Schwägerin versuche ich einen „power nap“. Hat fast funktioniert, die Energie kam wieder, aber nicht die Konzentration. Nach ungefähr 20 Minuten Abstieg fiel mir auf, dass mein Handy fehlt. Was ein S.. Also umdrehen und zurück auf den Berg. Zu meinem Glück kam ein VW-Bus vorbei, der sich um Gepäcktransport für Wanderer kümmert. Und ich hab mich noch daran erinnert, wie trampen funktioniert. Vielen Dank an den Mann von Eurotrek.

Der Rest des Tages ist schnell erzählt. Zu Beginn konnten wir noch trotz praller Sonne das Panorama genießen und Lenk war noch weit weg.

Tiefblick auf Lenk

Ziemlich bald aber – ab dem Bergrestaurant Bühlberg (mit Busverbindung, wir sind immer noch in der Schweiz !) – war Schluss mit den bequemen Forstwegen und wir begaben uns auf einen sehr schmalen Wiesepfad in der Direttissima nach Lenk. Und das ging dann doch schnell allen in die Beine und Lenk war immer noch weit weg. Und heiß war es auch, und alle waren froh, als wir es dann tatsächlich in den Ort geschafft hatten.

In Lenk angekommen

Der uns in Form unseres Hotels dann auch noch Sauna, Biergarten und ein cooles Abendessen geboten hat. Und das Gewitter kam dann auch noch, aber wir waren im Trockenen.

Sommerhoch

Ungeduldig geworden ob der noch so vielen Etappen bis Nizza, habe ich mir diesmal 3 Wochen am Stück vorgenommen. Und die Wandersaison in den Alpen ist eh nur kurz, die Zeit muss gut genutzt werden. So bin ich gestern in Ruhe nach Kandersteg gereist. Zu meinem Glück begleiten mich an den ersten Tagen Schwägerin und Nichte, und so haben wir uns Montag in der Frühe bei bestem Sommerwetter und frischer Luft aufgemacht.

Aber Stop – wir starten auf der ersten Etappe mit angezogener Handbremse. Weil mir 3 Wochen am Stück doch ziemlich viel erscheinen, setze ich auf vorsichtige Akklimatisierung, wir halten die Etappe kurz und nehmen die Seilbahn auf die Allmenalp für die ersten 530 Höhenmeter. Das war schon das erste Abenteuer, die Talstation, die Seilanlage und vor allem die Kabinen wirken gelinde gesagt antik und sind verglichen mit modernen Anlagen winzig. Sah aber alles bestens betreut und top in Schuss aus. Wir vertrauen also und werden mit der direkten Aussicht auf den sehr ausgesetzten Klettersteig Allmenalp und dessen Kletterer belohnt.

Oben angekommen ist es heiß und ausgesprochen ruhig. Sommer halt. Wir machen uns direkt auf den Weg die Almen hinauf und müssen ziemlich schnell feststellen, dass es keine ganz so schlechte Idee war, langsam anzufangen. Keiner von uns ist wirklich im Stoff, und so üben wir uns in der Kunst, geduldig möglichst langsam anzusteigen. Was dann auch gut funktioniert hat.

Nach einer starken Stunde ändert sich das Gelände. Wir queren leicht ansteigend einen Schotterhang und schlängeln uns anschließend auf schmalem Pfad durchs sehr steile, brüchige und felsige Gelände zum Alpschelegrat hoch.

Am Alpschelegrat

Wirkliche Gefahr besteht nicht, man sieht die versichernde Kette. Aber Konzentration ist auf jeden Fall gefragt. Oben angekommen sehen wir die Via Alpina aus dem Tal ansteigen. Wir folgen ihr die letzten 20 Minuten zur Bunderchrinde, den Übergang ins Engstligental. Die ist so schroff wie sie heißt, aber der Blick zurück ins Kandertal …

Der Oeschinensee inmitten seiner Wächter

… und voraus ins Engstligental ist atemberaubend (das Foto ganz oben). Zeit für eine ausgedehnte Pause.

Mein Wanderteam

Wir schauen einem vermutlich etwas unglücklichen Gleitschirmflieger zu. Der ist knapp unterhalb des Alpschelegrates in einiger Entfernung von uns gelandet. Wir wissen natürlich nicht, wieso. Es wirkte aber nicht so richtig planvoll. Wenigstens konnten wir uns keinen passenden Plan denken. Und er musste dann auch ein paar Meter ansteigen, seinen Schirm ausbreiten, sich selbst sortieren, und nach 10 Minuten hat er dann den erneuten Start geschafft. Viel Glück für ihn!

Wir selbst schauen mit etwas Sorge nach vorne, die ersten Meter des weiteren Weges sehen sehr steil aus und danach bricht das Gelände ab. Kann man da überhaupt gehen? Die zögerlichen Schritte einer Wandergruppe vor uns tragen nicht zur Erhellung bei. So müssen wir halt selbst nachschauen, und siehe da – es geht. Viele kleine Tippelschritte später ist das Steilstück geschafft und ab da geht’s über schöne Wiesen langsam bergab, bis wir bei „I de Schrickmatte“ auf einen Wirtschaftsweg treffen. Mitsamt Bauer, das ist immer wieder erstaunlich, dass sie hier wirklich überall ihre alte bäuerliche Landwirtschaft irgendwie am Leben halten.

Wir folgen dem Fahrweg zum Berghaus Bonderalp, wo wir einen schönen Nachmittag auf der Terrasse verbringen. Erst in der Sonne, später bei im Trockenen bei Regen, Sturm und Hagel warten wir auf die Halbpension und unser Matratzenlager.

Das Berghaus Bonderalp

Und sehen am Ende noch ein ganz außergewöhnliches Bergleuchten nach dem Unwetter. Selbst die Wirtsfamilie ist vors Haus gerannt, um das zu fotografieren.

Rückblick zum Hohtürl mit Blümlisalphütte

Und wir sind froh, so leicht gestartet zu sein. Der Tag war genau richtig, wie er war.

Blümlisalp

Die letzte Etappe meiner zwei Wanderwochen erfordert etwas Planung, weil ab Mittag Regen und Gewitter angesagt ist. Das Berghaus Golderli ist eine ausgesprochen gemütliche und gute Unterkunft, die Wirtin zieht das Frühstück netterweise auf 6:30 Uhr vor und wir können 7 Uhr los. Es sei vorweggenommen, der Plan geht gut auf. Von Gewitter ist keine Rede mehr, und als der Regen einsetzt, haben wir den ersten Teil des Abstiegs schon hinter uns und sitzen gerade vor dem Berghaus Oberbärgli und trinken Kaffee.

Der Anstieg selbst ist knackig. Es gibt nur im ersten Drittel eine etwas flachere Passage, ansonsten geht es steil bergan. Nach einem gefühlt ewigen Aufstieg auf einer Moräne geht es in den Fels, nur um kurz darauf in die letzten Schotterflanken vor der Passhöhe überzugehen. Hier sind über hunderte von Metern Treppen gebaut, die den Aufstieg erleichtern sollen. Für mich aber sind – warum auch immer – gerade die Treppen sehr kräftezehrend. Und so muss ich Matthias um Geduld bitten und bin im Schneckenschritt hoch.

Treppen zum Hohtürl

Im Ergebnis aber haben wir die fast 1400 Höhenmeter in 3:20 h zurückgelegt, mehr als 400m pro Stunde. Und obwohl uns heute viele junge Wanderer sozusagen um die Ohren fliegen und rechts und links überholen, ist das für mich doch ziemlich schnell. Wir wollen halt vor dem Regen wieder unten sein. Also die Hütte links liegen lassen und schnell weiter.

Blümlisalphütte

Der Pfad ist ausgezeichnet in den Schotterhang gearbeitet und bietet erstmal wenig technische Schwierigkeit.

Rückblick zum Hohtürl mit Blümlisalphütte

So können wir immer wieder um uns schauen, denn das Felstheater ist atemberaubend. Die Schweizer Alpen sind einfach noch einmal größer als die Österreichischen. Wir gehen genau gegenüber einem noch ziemlich großen Gletscher, wir können in der Ferne aber auch das Tal von Kandersteg sehen.

Blümlisalpgletscher

Was ich einfach nicht fotografiert kriege: die 500m Felsabbruch unter dem Gletscher. Man stelle es sich einfach nur massiv vor. Später gehen wir eine Zeitlang auf einem Grasband oberhalb senkrechter Felsen, und später oberhalb steiler Schotterhänge. Das ist dann schon ziemlich ausgesetzt, da fühlt sich mancher mulmig. Ich selbst aber fühle mich auf einem schmalen Grat mit gutem Stand ehrlich gesagt wie ein kleiner König. Gerade weil ich mich sicher fühle und das für mich nicht selbstverständlich ist.

Der Hang sieht vom Weg aus schon steil aus

Später regnet es wie vorhergesagt, aber nicht sehr stark und so stört es nicht weiter. Wir sind jetzt am Oeschinensee, der nicht nur von beeindruckend hohen Felsen umgeben ist, sondern offensichtlich auch ein Touristenhotspot. So werden es immer mehr Menschen, die nicht so sehr nach Wandern, sondern nach Ausflug aussehen. Und es ist ja Wochenende. Irgendwann fühlen wir uns etwas als Aliens, aber das ist ok.

Oeschinensee

Und dann sind beiden Wanderwochen vorbei. Ich freue mich über den Pausentag morgen und könnte danach einfach weitergehen. Aber ich freue mich auch, nach Hause zu kommen. Ab jetzt stehen ja alpine Etappen an, und so werde ich erst nächsten Sommer in Kandersteg weiter wandern. Und auch das ist ok.

By fair means

Gestern kam Matthias als Verstärkung, und diese Verstärkung konnte ich gut gebrauchen. Stand doch wieder einmal eine anstrengende Etappe bevor mit 2000 Höhenmetern und 9 Stunden Gehzeit. Aber wir haben das zusammen gut geschafft, und zwar in Gänze. Ich selbst hatte kurz darüber nachgedacht, die erste Stunde per Seilbahn einzusparen, aber Matthias war klar: by fair means muss es sein. War auch gut so.

Nach einem ersten steilen schönen Anstieg durch Wald aus Lauterbrunnen heraus, fanden wir uns auf der ersten Geländestufe im Örtchen Mürren wieder. Ebenso idyllisch wie Wengen auf der anderen Talseite und wie Wengen und Lauterbrunnen selbst voller Sommertouristen. Und zwar aus aller Herren Länder und nicht zum Wandern hier. Sondern zum Sightseeing. Meine Vermutung ist: wie wir selbst uns beispielsweise exotische arabische Märkte anschauen, so schaut der eine oder andere die für ihn exotische Schweiz und die imposanten Alpen hier an. War ja schon am Trübsee so, nur für mich als Bergwanderer ziemlich ungewohnt. Aber schön war es und der Tag insgesamt sowieso.

Die Spielbodenalm

Wir hatten kurz vor dem letzten Anstieg zur Passhöhe in der Rotstockhütte Rast gemacht und uns mit schön zuckerhaltigen Getränken gestärkt, so dass auch dieser Anstieg problemlos verlief.

Auf dem Weg zur Sefinafugga

Lediglich die letzten 200 m auf einem Schotterfeld waren technisch ein bißchen anspruchsvoller, allerdings auch mit einer Holztreppe letztlich entschärft.

Auf der anderen Seite gings dann auch wieder mit der Holztreppe los. Weil wir jetzt aber natürlich mit dem Gesicht ins Tal gehen, war das herausfordernder und wir waren froh um das Seil an dem wir uns festhalten konnten.

Abstieg mit Unterstützung

Und am Ende der Treppe haben wir dann einen ganz klassischen Fehler gemacht: vor uns waren mehrere Wanderer auf einem sehr schwer zu gehenden, ungewöhnlich schlecht befestigtem steilen Pfad im Schotterfeld unterwegs und mussten offensichtlich mit Händen und Füssen um’s Runterkommen kämpfen. Wir haben das dann auch auf uns genommen. Mal die Hacken in den Schutt gehauen, oft seitlich mehr gerutscht als gegangen, was halt gerade möglich war. Unten angekommen dann der Schock: linkerhand kam ein richtig guter Pfad daher. Wir hatten am Ende der Treppe gar nicht auf den richtigen Weg geachtet. Und sind stattdessen blind den anderen ins Gelände hinterher, denn das war nicht der Weg. Aber wir dachten, wo Leute sind muss auch der Weg sein. Was für ein Blödsinn!

Ab da war’s einfach, immer den Berg runter, falsche Pfade gab es nicht mehr, und als die ersten Almen kamen, wurde ein gut zu gehender Fahrweg draus. In schon abendlich friedlichem Wetter kamen wir im netten Berggasthaus Golderli an und konnten etwas stolz endlich die Füße hochlegen.

Im Kiental