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Top of Europe ?

Ja, das ist der Eiger. Die heutige Etappe ist vielleicht so was wie die heimliche Königsetappe, nicht wegen Länge, Höhenunterschied oder Schwierigkeit. Sondern wegen der Eigernordwand, dem Mönch der Jungfrau. Und ich habe mir was Besonderes ausgedacht, ich wollte mir jetzt doch mal die Zugfahrt durch den Eiger hindurch auf das Jungfraujoch leisten. Beworben als Top of Europe. Also bin ich schon 7 Uhr im Tal los, es gilt, auf die Kleine Scheidegg aufzusteigen. Das ist ein Umsteigebahnhof (!) auf 2000m Höhe direkt unter dem Eiger.

Der Anstieg ist anfangs etwas mühsam, weil steile Sträßchen, und im Übrigen brauche ich morgens immer eine halbe Stunde, bis es läuft. Aber irgendwann geht das ganze dann weitgehend auf einen autobreiten Schotterweg über und ist einfach und ohne besondere Aufmerksamkeit zu gehen.

Rückblick von Brandegg auf Wetterhorn und Mattenberg

Ziemlich schnell muss ich feststellen, viel weiter zu sein als geplant. Ich kann’s mir nicht richtig erklären. Nach meiner Berechnung hätte ich 5 Stunden auf die Kleine Scheidegg gebraucht. Beim ersten Wegweiser standen aber 3 Stunden da, und die haben bisher immer gestimmt. Also wäre ich statt 13 Uhr schon 11 Uhr oben gewesen. Und so war es auch, und ich habe dann zwei Stunden auf der Kleinen Scheidegg verbracht und mich gefragt, was los war. Da hätte ich auch locker ausschlafen und im Hotel frühstücken können. Was ich alles nicht gemacht habe. Egal, ich habe den Tag soweit genossen. Und es gibt ja nicht nur den Eiger zu sehen, der Blick auf die andere Seite lohnt auch.

Almen oberhalb Grindelwald

Was sich aber überhaupt nicht gelohnt hat, und mich im Nachhinein sehr geärgert, ist der Ausflug aufs Jungfraujoch. Man fährt mit der Bahn im Tunnel (nichts zu sehen) in einen Bahnhof im Berg (nichts zu sehen) und von da an ist Remmidemmi: der höchste Uhrenladen Europas, Schokoshop, Merch, eine Installation mit viel BlingBling zum Thema Alpen, man hat etwas Auslauf ins Freie und kann auf die Aussichtsplattform per Aufzug. Die Aussicht ist wirklich grandios, aber komplett verstellt von selfieproduzierenden Menschen. Diese Fahrt ist wahnsinnig teuer und trotzdem wahnsinnig überlaufen. Habe ich nicht gedacht. Ich habe dann meine Fotos gemacht und die Flucht ergriffen. Nichts für mich, aber ein Beweis möchte ich trotzdem teilen.

Aletschgletscher

Aus Ärger bin ich danach nicht wie gedacht mit der Bahn nach Lauterbrunnen, sondern gewandert. Der Tag sollte nicht so blöd aufhören. Und das hat sich gelohnt, war doch beste und friedlichste Sommernachmittagsstimmung.

Eiger und Mönch

Der Weg verläuft über die Wengeralp, immer den gegenüberliegenden Berg im Blick. Da werde ich morgen sein.

Wengeralp mit Blick auf das Schilthorn

Und witzigerweise verläuft ein Teil des Weges auf der Strecke der Lauberhorn-Skiabfahrt (oder andersrum), die ich im Winter einmal tatsächlich gefahren bin. Würden allerdings nicht Schilder darauf hingewiesen, wäre es mir nicht aufgefallen. Insgesamt haben mich der Abstieg, die Alp und auch das sehr idyllische, anscheinend autofreie, Wengen wieder entärgert. Und zuletzt kommt noch ein sehr, sehr serpentinenreicher steiler Abstieg nach Lauterbrunnen. Auch hier ist die Hölle los, aber das soll jetzt kein Thema sein. Wo kommen nur die Leute alle her?

Irgendwo da unten ist Lauterbrunnen

Ich bin nicht allein

Nein, das ist nicht der Eiger. Es ist die Nordwand des Scheideggwetterhorns. Das gehört allerdings wie der Eiger zu einem sehr beeindruckenden Gebirgsstock, den ich ab heute abwandern werde. Mit u.a. Finsteraarhorn, Mönch und Jungfrau mit einigen 4000ern. Mit dem Eiger ab Grindelwald 3000m aus dem Tal ragend. Und mit dem Aletsch immer noch mit dem größten alpine Gletscher. Und als Region Jungfrau-Aletsch als Welterbe geadelt.

Diese Etappe ist der Einstieg in eine mehrtägige Panoramawanderung. Und dementsprechend bin ich nicht der einzige hier. Trotz weiterhin durchwachsenem Wetter sind erstaunlich viele Wanderer und Radler unterwegs.

Mein Tag fängt allerdings ganz anders an. Ich verzichte auf den ersten steilen Anstieg und nehme eine uralte Kabelbahn zu den Reichenbachfällen oberhalb von Meiringen. Auch das nicht allein, wie man sieht.

Die Reichenbachfallbahn aufwärts

Vielen Dank an die Fahrerin (sagt man das so?), ich durfte bei der ersten Fahrt des Tages als Nachzügler noch einsteigen. Die Wasserfälle selbst sind sehr sehenswert, und man kann auf einem mit Treppen, Geländern und Brücke versicherten Pfad am Wasserfall entlang ansteigen und immer wieder neue Perspektiven entdecken. Der Ort Meiringen schlägt übrigens einiges Kapital aus diesem Wasserfall, ist es doch der Ort, an dem Conan Doyle seinen Sherlock Holmes sterben lässt.

Damit begann ein recht entspannter Anstieg im Reichenbachtal. Der Weg verläuft lange Strecken nebem dem Bach in ziemlich geringer Steigung. Passagen neben dem Bach wechseln sich mit Straßenstücken und kurzen Waldpfaden ab. Und obwohl ich sehr gemütlich gehe, bin ich heute mal nicht der langsamste.

Langsam bergauf mit Blick auf fast nichts

Unterwegs bestaune ich eine kreative Art der Holzwirtschaft. Man schlägt die Bäume am Hang, hängt sie an den Haken der Seilbahn, lässt sie bis zur Sammelstelle fahren und dann einfach ab, bis sie die Maschine greifen kann. Sah cool aus, hoffentlich kann man das erkennen.

Holzernte in Gschwantenmad

Trotz der Straße war es sehr ruhig, nur das „Postauto“ (der Linienbus) fiel mit seiner regelmäßigen Fanfare auf. Der Gegenverkehr muss schließlich gewarnt werden.

Ganz so einfach darf der Tag aber doch nicht werden. Die letzte Stunde im Aufstieg zur Großen Scheidegg auf der Passhöhe hat es wieder in sich. Selbstverständlich nieselt es wieder etwas, es ist steiler, irgendwie muss man die Höhe ja überwinden. Der Hammer aber ist der Wind, richtig stramm und eisig kalt. Ich kann mich nicht wie gestern durchgebeißen, sondern muss sogar ein Pulli zusätzlich anziehen, trotz der Anstrengung. Und dann: ein japanisch aussehender Mensch überholt mich mit perfektem Grüezi, im T-Shirt und mit Jutetasche. Um sich oben auf der Passhöhe auf die allerhöchste Aussichtsbank in den schlimmsten Wind zu setzen. Und eine Zigarette zu rauchen! Tja, worüber klage ich … Ich bin trotzdem für das Berggasthaus und dessen warmes Essen dankbar. Und nach einer Stunde Pause sieht alles auch schon wieder viel besser aus und ein traumhafter Abstieg auf schönen Almen und mit tollem Ausblick beginnt.

Von der Großen Scheidegg nach Grindelwald

Rechter Hand stehen Wetterhorn und Matterberg Spalier und ich meine kurz den Oberen Grindelwaldgletscher am Schreckhorn zu sehen. Linker Hand leuchtet der First, wo ich dieses Jahr schon Skifahren war. Weil die Wege insgesamt wenig Stolperfallen bieten, kann ich das auch ausführlich genießen. Und den Radfahrern und Mitwanderern fröhlich grüßend ausweichen. Nur der Blickfang schlechthin ist nicht zu sehen. Aber irgendwas ist ja immer.

Der Eiger gibt sich bedeckt

Wind und Weide

Dieser Tag fängt an wie der gestrige aufhört, mit Regen. Die Vorhersage verspricht Besserung gegen Mittag und vor allem drohen keine Gewitter. Also habe ich mit allen anderen Wanderern im Hotel das erste regenfreie Fenster abgewartet und die Etappe angegangen. Josefstaktik brauchte es nicht, aber ein paar Notausstiege habe ich mir schon zurechtgelegt. Das gehört zum Handwerkszeug in den Alpen.

Vor mir liegt zunächst der Anstieg zum Tannensee und eine wunderbare Wanderung auf einem Wiesengrat bis zum höchsten Punkt des Tages, dem Balmerhoren. Die offizielle Wegbeschreibung verspricht enthusiastische Ausblicke, mit Tiefblick ins Tal linkerhand und Fernblick zum Jungfraugebiet. Allein da sind die Wolken, und damit bleibt nur der Blick rechterhand zum Melchsee, siehe Blogfoto oben. Und der Regen und ein sehr unangenehmer Wind sind wieder da, und ach ja, kalt ist es auch. Ich beiße mich durch. Schließlich lockt zur Hälfte des Tages das Panoramarestaurant Alpentower, drunter macht man es im Skigebiet Hasliberg nicht, daher kenne ich das nämlich. Schön ist es irgendwie trotz allem.

Gratwanderung Richtung Balmeregghoren

Wind und Regen sind aber nicht die einzigen Herausforderungen. Wegen der Wolken sieht man es nicht so, aber weite Strecken des Weges sind ziemlich ausgesetzt. Das Gelände ist halt steil. Der Weg ist zum Glück hervorragend gebaut, oft aus dem Fels rausgehauen, mit Schotter begradigt, so dass es kaum Stellen gab, an denen ich über den nächsten Tritt nachdenken musste. Aufpassen aber schon. Und an einer Stelle hat man sogar eine Seilsicherung angebracht, bei einem derart breiten guten Pfad vielleicht ein ganz klein wenig übertrieben.

Perfekt eingerichteter ausgesetzter Pfad

Und dann sind da noch die Kühe. Die Wiesen hier werden sämtlich als Weiden genutzt und die Kühe stehen wieso auch immer gerne auf den Wanderwegen rum. Ist für sie vielleicht bequemer, was weiß ich. Kühe sind zum Glück recht entspannte Wesen, man muss sich nicht fürchten. Aber dass sie so tiefenentspannt sind, dass sie nicht einmal pro forma etwas zur Seite gehen, war mir noch nicht so klar. Und so gehe ich nicht ganz so tiefenentspannt hinter der Kuh durch. Man erinnere sich, das ist ein Grat. Sie hat nicht gezuckt, zum Glück. Ist heute noch ein paar Mal vorgekommen, aber nicht mehr auf einem so schmalen Pfad.

Man teilt sich den Weg

Kurz darauf verlasse ich den Grat und quere die Fels- und Wiesenhänge unterhalb des Rotstock. Jetzt bin ich komplett im Nebel, sehe nicht mal mehr die steil abfallenden Wiesen. Und es nieselt weiter, ich bin aber inzwischen im Windschatten. Und am Ende kommt der Alpentower tatsächlich und ich wärme mich bei einem Stück Haslikuchen auf (ist hier eine lokale Spezialität, irgendwas mit Nuss und Möhre).

Ich spiele kurz mit dem Gedanken, per Seilbahn die folgenden 1.800 m nach Meiringen abzufahren. Aber erstens Wanderehre, zweitens kein Regen in Sicht, drittens 45 CHF. Nun ja, ich gehe los. Und es ist wirklich oft so. Plötzlich ist alles auf einmal leicht. Der Weg ist superbequem zu gehen, der Wind legt sich, und der Himmel reißt auf. Und als ich ein Stückchen tiefer komme, habe ich sogar das Gefühl, es würde ein ganz klein wenig warm werden.

Das Haslital bis zum Brienzer See

Und so gehe ich über Stunden über die Almen und später den mir nur als Skigebiet bekannten Hasliberg bergab. Ich war hier schon einmal Skifahren und erkenne nichts. Außer den Liften und dem Ort Reutti. Ich merke nicht einmal, dass ich die ganze Zeit über die roten Abfahrten 18 und 19 absteige, ich hatte das Skigebiet ganz woanders vermutet. Schön ist es trotzdem und jetzt sehe ich ja auch ein bißchen was. Und ich freue mich, dass jemand eine kleine Tischdeko an einem Rastplatz hinterlassen hat.

Jemand hat den Berg dekoriert

Und als ich in Meiringen ankomme, brennen die Füsse, aber alles ist gut.

Die Josefstaktik

Nach einer wunderbaren Nacht auf der Alp Hobiel und einem guten Frühstück inklusive Käse aus eigener Milch haben wir uns nach herzlicher Verabschiedung von der Wirtsfamilie wieder auf den Weg gemacht.

Der war aber gar nicht so einfach. Denn schon am Vorabend war Schlechtwetter angesagt, Unwetterwarnung Stufe Gelb mit der Möglichkeit schwerer Gewitter ausgegeben, kurz nach dem Aufstehen hatte dann auch der Regen eingesetzt und es sah nicht so aus als werde das ein Wandertag.

Bei Gewitter hat man auf dem Berg nichts zu suchen. Die Übernachtungen waren aber schon gebucht. Also habe ich überlegt, diese Etappe einfach auszulassen und per Bus zur nächsten Unterkunft zu fahren. Oder in Engelberg zu bleiben und alle weiteren Übernachtungen einen Tag nach hinten umzubuchen. Alles nicht so toll. Und vor allem wurde mir schon am zweiten Tag klar, dass die weitere Wanderung Richtung Nizza anders zu organisieren ist und anders ablaufen wird wie bisher.

Die Lösung des Problems kam vom Großvater der Alm Josef Zurfluh: es gebe eine Seilbahn zum Trübsee und zum Jochpass und man könne sich eh nicht auf die Vorhersagen verlassen, oft komme es anders. Man gehe Schritt für Schritt vor und sehe dann weiter und das haben wir gemacht. Von der Alp zur ersten Seilbahn, die wurde aber zum Abtransport der Käseleibe der Sennerei gebraucht und war auf 2 Stunden belegt. Also zur nächsten Seilbahn jetzt im Regen, die fuhr aber nicht wegen zu starkem Wind und so warteten wir im Restaurant, bis die Seilbahn fahren konnte. Unten an die Bushaltestelle, das Wetter wurde aber freundlicher und deshalb zu Fuß weiter. Am Campingplatz wieder auf die Wetterapps und den Himmel geschaut, die nächste Stunde blieb trocken und so sind wir zur Gerschnialp auf- und nicht nach Engelberg ausgestiegen. Auf der Alp wiederum regnete es, aber man versicherte uns, der steile Pfad sei gut befestigt und bei den Bedingungen gut benutzbar. Also hoch zum Trübsee. Und dort sah es nach ein bis zwei Stunden Wetterruhe aus. Ich habe mich aber nicht getraut, bei der instabilen Witterung die verbleibenden drei Stunden ohne Notausgang zu wandern. Zumal Christoph sich an dieser Stelle leider nach Hause verabschieden musste. Also mit dem Sessellift hoch zum Jochpass und die letzte Stunde bergab zum Ziel. Hat auch alles gepasst. Kurz bevor ich unten ankam, ging der Regen wieder los. Und etwas später folgte dann auch das Gewitter. Insgesamt bin ich mit der Josefstaktik praktisch die gesamte Etappe gewandert und am geplanten Ziel sicher angekommen.

Die erste Seilbahn – die Fürenalpbahn – war überraschend spektakulär, eine kleine 6-Personen-Gondel mit Seilbahnfahrer fuhr nach sanftem Beginn über die Kante der dortigen beeindruckenden Felswand und wir hatten völlig unvorbereitet 600 m Luft unter uns. Wer genau hinschaut, findet die kleine rote Gondel:

Fürenalpbahn

Die Steilheit des Anstiegs zum Trübsee konnte ich leider nicht richtig ins Bild setzen, aber man erkennt es vielleicht am Vis-à-vis mit den Gondeln der Luftseilbahn von der Gerschnialp.

Luftseilbahn kurz vor der Bergstation

Der Trübsee wiederum ist tatsächlich trüb, aber ob er deshalb so heißt weiß ich nicht. Das gesamte Kar um ihn herum und das Panorama ist als solches sehr sehenswert. Trotzdem ist nicht zu übersehen, dass wir im Skigebiet Engelberg-Titlis sind. Und dank der Seilbahnen findet sich hier viel internationales Publikum ein, dem Wandern gelinde gesagt eher fremd scheint. Ein arabisches Paar hat uns direkt angesprochen und war erstaunt und begeistert, dass wir zu Fuss hier hochgekommen sind und schon seit 6 Stunden unterwegs! Fand man cool, gab ein Faustcheck. Wir waren dann auch begeistert. Und gleich im Anschluss gabs ein Daumen-hoch von einem Inder (Disclaimer: ich weiß). Ich war stolz auf uns. Trotzdem habe ich das alles aus dem Foto ausgeblendet.

Der Trübsee

Dann noch den Engstlensee von oben, die Engstlenalp mit Hotel ist ein paar Meter unterhalb und als kleiner weißer Fleck zu sehen. Ich schwöre, ich habe das Bild fotografiert und nicht gemalt.

Engstlensee

Das Hotel selbst bietet sehr schöne „Nostalgiezimmer“ an, die wirklich wie aus dem 19. Jahrhundert wirken, von der elektrischen Beleuchtung mal abgesehen. Eine ganz andere und auf ihre Art ebenfalls sehr empfehlenswerte Unterkunft mit gutem 4-Gänge-Halbpensionsmenü.

Hotel Engstlenalp

Und zum Abschluss nochmal die Josefstaktik: ich wusste von vorneherein, dass am Hotel der Bus fährt. Die Wettervorhersage ist nämlich auch für den folgenden Tag schlecht und es braucht auch hier den Plan B.

Es geht los

Die Etappe beginnt mit wunderbarem Wetter und das bleibt auch so. Wir haben uns früh auf die Socken gemacht, weil ein für unsere Verhältnisse heftiger Anstieg bevorstand. Es ist die erste Alpenetappe und die fordert uns auch gleich. Glücklicherweise können wir uns erst einmal etwas warmlaufen, das komplett flache Reusstal ist zu durchqueren. Hier verläuft die Nord-Süd-Eisenbahn durch den Gotthard-Basistunnel, dessen Nordportal nur gute 3 km entfernt ist. Leider gibt es eine Unterführung und keine Brücke über die Bahntrasse, so dass nichts zu sehen war.

Anfahrt zum Nordportal des Gotthard-Basistunnels

Aber dann geht es los, wir lassen die Seilbahn auf den Büsti links liegen. Wir hatten durchaus mit dem Gedanken gespielt, es uns etwas einfacher zu machen, haben uns glücklicherweise dagegen entschieden. Wir haben den Aufstieg gut geschafft. Den Anfang bilden schmale Wiesenpfade, die von seitlichen Mauern eingefasst sind und so wie Rinnen wirken. Das war sehr schön, aber verseucht von Bremsen. Glücklicherweise waren die im anschließenden sehr steilen Waldstück dann auch schon wieder weg. Und als die Bergstation der Seilbahn auftauchte, war der anstrengendste Teil schon hinter uns. Ab jetzt ging es etwas weniger steil bergan. Schön war ein kleiner Gratabschnitt mit schmalen Pfaden, seilversichert, bergauf, bergab. Und was ab jetzt auch anders ist: nicht mehr die gelbe Raute, sondern das alpine Weiß-Rot-Weiß markiert den Weg.

Alpiner Pfad mit der typischen Markierung

Jetzt sind wir wirklich in den Alpen angekommen. Wir haben immer wieder Tiefblicke zurück zum Vierwaldstätter See (siehe Beitragsfoto) und vor uns gewaltige Hänge.

Der Sunnige Stöck

Genau zum richtigen Zeitpunkt waren wir oben am Pass, nach 6 Stunden Aufstieg als es dann auch gereicht hat. Und wie so oft in meiner Alpinkarriere waren nicht nur andere Wanderer und Biker da (es war Sonntag), sondern es flogen auch wieder die Alpendohlen um uns herum. Was auch immer sie da machen, sie sind immer da.

Surenenpass

Nach schöner Pause und kurzen Chats mit den Lieben haben wir uns wieder aufgemacht (entgegen dem allgemeinen Vorurteil hat das Schweizer Mobilfunknetz heute deutliche Löcher). Der Abstieg war flacher, auf etwas breiteren, geschotterten Wegen und somit ziemlich einfach. Wir haben uns über die Murmeltiere um uns herum gefreut, den beachtlichen Aufstieg so gut geschafft zu haben, und die grandiose Kulisse genossen.

Blick ins Surenen – Titlis im Hintergrund

Und da Christoph gut aufgepasst hat, sind wir auch nicht zum eigentlichen Etappenziel Stäfelialp gewandert, sondern zur Alp Hobiel, wo wir gute Unterkunft hatten. Aber weder WLAN noch Mobilfunk.

Pausentag

Diese Etappe hatte ich von vorneherein als mögliche Pausenetappe eingeplant, die offizielle Via Gottardo nimmt hier schlicht das Schiff über den Vierwaldstätter See. Das war mir als einzige Option etwas zu einfach, also hatte ich ziemlich mühselig eine Rigiüberschreitung eingebaut, so wie sie auch in der Etappenbeschreibung zu finden ist. Gebraucht habe ich sie nicht.

Denn mir war tatsächlich etwas nach Ausruhen. Da traf es sich gut, dass Christoph gekommen und für alles zu haben war. So wurde es eine kombinierte Stadt/Fahrrad/Schiff/Bahntour ohne jeden Stress: erst etwas in der Stadt umgesehen, dann ein E-Bike geliehen, am nördlichen und östlichen Seeufer über Küssnacht bis nach Gersau, etwas zurück nach Vitznau, mit dem Schiff wieder nach Luzern und letztlich per Bahn nach Altdorf. Es war wunderbares Wetter, nicht zu heiß, nicht zu kalt und total entspannt. Wenigstens für mich, Christoph hatte sich für ein Bike ohne E entschieden und hat richtig Sport gemacht. Aber er musste sich ja auch nicht ausruhen.

Und weil es nur ein Pausentag war, hier nur ein paar unkommentierte Fotos vom Tag.

Kappellbrücke in Luzern
Am Anleger in Küssnacht
Mittagspause im Strandbad Cholplatz
Man schreibt eine Postkarte …

Abschied in Luzern

Ich muss mit zwei Offtopics anfangen. Am Frühstückstisch saß ein mexikanisch aussehender Mann, etwas dicklich, mit ärmellosem gelben Sportshirt und Basecap. Ich dachte spontan, er schwitzt und wollte mich nicht an den gleichen Tisch setzen. Und wieso? Weil diese Figuren in Filmen immer schwitzen. Alles nicht so einfach.

Derweil sucht man mit großem Bahnhof in Berlin und Brandenburg nach einer entlaufenen Löwin, die auf einem Video gelandet scheint und sicher von Polizisten gesichtet worden sein soll. Schwer zu glauben, es fehlte ja auch nirgends eine Löwin. Am Nachmittag folgt die offizielle Auflösung, es seien Wildschweine gewesen. Das riecht so derartig nach professioneller Abmoderation, man fragt sich unwillkürlich, was eigentlich wirklich los war. Mal abwarten.

Die Etappe heute ist nicht so schön, es nieselt und regnet immer wieder und alles ist recht grau. Ich gehe lange oberhalb des Sempacher Sees, und so wirklich schön ist das hier nicht. Da hilft auch nicht der Berg im Hintergrund, dessen Namen ich noch nicht rausgekriegt habe.

Sempacher See

Es ist insgesamt eigentlich keine ausgesprochen schöne Gegend hier. Es ist interessant, weil es anders ist als alles auf dem langen Weg bis hierher. Und es ist Kulturland, in dem gelebt und gearbeitet wird. Ziemlich weit weg von Idylle. Trotzdem frage ich mich zum ersten und wahrscheinlich einzigen Mal auf der Tour, ob nicht eine andere Wegeführung besser gewesen wäre. Durchs Schweizer Jura nach Genf zum Beispiel. Aber das werde ich wohl nie rauskriegen. Immerhin ist der nächste Ort wieder sehenswert …

Sempach im Regen

… und im Anschluss kommt nicht nur der rettende Coop für den Mittagssnack, sondern ich darf endlich auch mal direkt ans Seeufer. Das war bisher nämlich nicht drin.

Sempacher See bei Sempach selbst

Der Nachmittag ist dann so bisschen Frankfurt lite. Man läuft relativ lange durch Vororte leicht bergab in die Stadt. Nur ist es halt diesmal Luzern, und es gibt keine E-Scooter. Dafür ein schön gestaltetes Gasthaus.

Gasthaus in Rothenburg

Später verläuft der Wanderweg über die Startbahn des Flughafens, was ziemlich schräg ist. Der entsprechende Abschnitt ist gerade zwar gesperrt, aber die Umleitung geht zu einer Straße, die ebenfalls die Startbahn quert. Da gibts dann eine Schranke wie bei einem Eisenbahnübergang. Kein Zaun, nichts. Das stell ich mir spannend vor. Aber es startet nur eine kleine Militärmaschine, die nicht die gesamte Länge der Startbahn braucht.

Den Abschluss bildet eine Stunde am Ufer der Reuss, wie die Aare ein schöner kräftiger Fluss, bevor ich nach Basel das erste Mal wieder in einer Stadt bin.

Reuss vor Luzern

Und es ist ein kleiner Abschied, denn nach 1.400 km ist der Flach- und Mittelgebirgsteil vorbei und es geht in die Alpen.

Mittendrin

Die Etappe beginnt unauffällig und unverändert. Immerhin verläuft der Weg nach Zofingen mehr oder minder am Waldrand. Die Höhenunterschiede sind jetzt deutlich niedriger wie noch vor Olten. Man kann es im Rückblick sehen. Ich fotografiere ja manchmal gegen die Laufrichtung, weil mir Fotos Richtung Norden mit der Sonne im Rücken deutlich besser gelingen als in Laufrichtung gegen die Sonne. Und da ist es mir aufgefallen. Im Hintergrund sieht man die Berge fast als seien da Schwarzwald oder Vogesen. Es war früh, es war frisch, ich bin gut vorangekommen.

Natürlich kann es nicht so bleiben. Das Tal ist zu queren mit einem ziemlich langen Abschnitt vor und durch eine Ortschaft namens Dagmersellen, abgerundet durch die Autobahn Basel-Gotthard (die wirkliche Via Gottardo also). Der Wanderweg führt sogar über den Kreisverkehr der Autobahnauffahrt und das hört und sieht man. Ich wollte raus, ich war im Stress. Aber es gibt auch was gutes. Erstens habe ich am Weg mit einem Bauarbeiter geplaudert, dessen Dialekt ich so schlecht verstanden habe, dass sogar der Smalltalk (Wo kommst Du her, wo gehst Du hin) nur knapp zustande kam. Schwyzerdeutsch ist wirklich krass. Wenn ich davon was verstehen will, muss ich es eigentlich lesen, da kann ich mir die Bedeutung etwas leichter erschließen. Zweitens sind wieder alle so geschäftig, als Beispiel habe ich ein Neubau festgehalten, wo offensichtlich alle Mitwirkende ihr Plakat anbringen durften.

Baustelle in Dagmersellen

Sehr, sehr oft fehlt übrigens nicht der Hinweis, man sei regional. Genau wie immer darauf hingewiesen wird, das Fleisch, Getränk, was auch immer stamme aus der Schweiz. Und drittens hörte der Stress danach auf. Der Weg biegt aus dem Tal ab auf einen Höhenrücken und bleibt da, und endlich wurde es mal wieder still. Fast habe ich das Gefühl, wieder im Schwarzwald zu sein.

Waldpfad oberhalb Nebikon

Überhaupt ist es Mitte Juli und ich ertappe mich beim Gedanken, jetzt eigentlich durchlaufen zu können. Bis Nizza und Korsika. Die Jahreszeit gibt es her, und auch die Ausrüstung ist am Mann. Denn der Abstieg Richtung Sursee verläuft über offenes Gelände und ich kann nicht nur den See sehen, sondern die Alpen tauchen vor mir auf.

Sempacher See nebst Rigi (ohne Gewähr!)

Aber noch ist es nicht soweit. Die Hitze flirrt über den Feldern, ein Mähdrescher hüllt den Weg in seine Staubfahne ein, und unterwegs komme ich wieder an einem schönen Bauernhof vorbei.

Am Schönbühl

Das Foto ist gemein, denn kein Bauernhof, wirklich kein Bauernhof in dieser Gegend sieht so aus. Was alles nicht auf dem Foto ist: ein großes Wohnhaus, mehrere Ställe und Wirtschaftsgebäude, der Silo, … Aber dies Detail ist hübsch. Und ach ja, man pflegt hier selbstgemalte Schilder vor das Haus zu stellen, mit einem Bild (Storch, Kuh, Kind, Katze, Hund, was auch immer) und Vorname und Geburtstag der Kinder. Dieser Hof hatte 5 Schilder mit immer demselben Namen und demselben Geburtstag ich glaube im März diesen Jahres. Anscheinend die Erstgeborene, anders kann ich mir die Begeisterung nicht erklären. Und wieder fällt mir auf, wie schön das ist, dass die ganzen Höfe hier als Vollbetrieb bestehen, anscheinendend die Bauern ernähren können und alles weit, weit weg von Großgrundbesitz ist. Da erscheint das ganze „Schweiz“ auf den Lebensmitteln in anderem Licht. Ich freu mich drüber, auch wenn das mit der Idylle vom Foto eher nichts zu tun hat.

Und es ist auch nicht alles Landwirtschaft. Denn Sursee sagt hallo:

Teile des Surseeparks

Das geht auf der anderen Seite der Glasbrücke noch genau so weiter. Aber ich betrete den Ort ja sozusagen durch den Hintereingang, auf der falschen Seite der Bahngleise, an einem hypermodernen Schulneubau, dem Bahnhof und eben dem Surseepark vorbei. Bis zur Altstadt schaffe ich es heute nicht mehr, mein Hotel Sursee liegt davor und das Wirtshaus Wilder Mann liegt direkt nebem dem Altstadttor. Da habe ich dann morgen noch was zu schauen in Sursee.

So still sind die Pfade nicht

Wieder in der Morgenfrische los. Ich war in der „Hupp Lodge“ sehr gut untergebracht, hatte gut geschlafen, und das Frühstück auf der Panoramaterrasse war lecker. Weil die Unterkunft aber weit oberhalb des Ortes Läufelfingen liegt (und auch gar nicht zu diesem gehört), kamen erstmal 20 min Abstieg durch den Wald, bevor es 30 min ruhig ansteigend auf die Etappe ging.

Ortsausgang Läufelfingen

Damit verlasse ich den Kanton Basel-Landschaft und gelange nach Solothurn. Man empfängt mich mit einem Landstraßenpass, einem Golfplatz und einer schönen Aussicht auf den restlichen Tag. Und nach einer starken Stunde bergab kommt mein Highlight des Tages auch schon, die Aare. Ein dunkeltürkisfarbener, ruhig und recht schnell strömender Fluß, dessen Anblick allein mich in der Sommersonne schon erfrischt. Die Aare ist der! Fluss des Mittelandes, der längste komplett in der Schweiz liegende Fluss, und sie führt mehr Wasser als der Rhein, in den sie mündet. Eigentlich könnte aus dieser Sicht Köln an der Aare liegen, keine Ahnung wieso das nicht so ist. Vielleicht gilt bei Flüssen auch rechts vor links.

Ich habe dann auch gleich am schattigen Ufer Pause gemacht und bin bis Aarburg so lange wie möglich direkt dran geblieben. Die Aare hat mich nicht nur virtuell erfrischt, ich habe mich über die Abwechslung gefreut und die Ruhe, die sie ausstrahlt. Allerdings hatte ich auch die ganze Zeit höllischen Durst und das Bedürfnis, in der Aare zu wandern und nicht daneben. Na ja, wenigstens habe ich ihr zwei Fotos gegönnt, das Blogfoto oben mit der Bahnhofbrücke und die Alte Brücke.

Altstadt Olten mit Alte Brücke

Im nächsten Ort Aarburg verlässt der Weg die Aare schon wieder und beschreibt einen ziemlich großen Bogen um das folgende Siedlungkonglomerat, man mag es auf dem Foto ahnen.

Die Aarburg

Der Weg verläuft eigentlich unterhalb der Burg auf deren Bergrücken hoch. Das habe ich aber ausgelassen, denn es begann das Drama meiner Mittagspause. Ich hatte nichts mehr zu trinken und musste ergo einen Supermarkt finden. Der lag halt nicht neben der Burg. Aber egal. Der Plan war einfach. Nicht direkt vor dem Supermarkt pausieren, sondern hoch auf den Berg und ein schattiges Plätzchen mit Aussicht finden. Als ich kurz darauf oben war, stellte sich heraus, dass oben nicht oben ist. Ich wollte auf keinen Fall nach der Pause weiter ansteigen müssen, also gings weiter. Wirklich oben angekommen, war ich aber im Wald und ohne Aussicht. Also auf die Karte geschaut, 10 min weiter kam offenes Land. Tja, das war aber ein Feld und im Moment setzte der Mähdrescher laut lärmend zur Arbeit an. Ich kann mich ja schlecht als Gast im Land über die Landwirtschaft beschweren, also gings weiter, wieder durch Wald. Und nach einiger Zeit folgte wieder eine Aussicht, diesmal auf die nicht so repräsentative Rückseite des nächsten Bauernhofs. Also weiter talabwärts zum nächsten Wäldchen, neben einem Maisfeld. Ich hatte aus lauter Sturheit bis dahin weder meine eingekauften Getränke angerührt, noch die Snacks, und war entsprechend ausgetrocknet und genervt. Das ganze hatte schon über eine Stunde gedauert, es hat dann gereicht. Also habe ich mich auf einen Holzstapel am Rand dieses Wäldchens gepflanzt. Ich hatte Schatten, ich hatte Ruhe, und das war die Aussicht:

Lauterbacher Mais

Auch gut. Und wo ich schon dabei bin, mich nicht zu beschweren: in dieser Gegend ist eigentlich ganz schön was los. Irgendwo hatte ich gelesen, die Via Gottardo verlaufe auf stillen Pfaden. Davon kann in den ersten drei Tagen keine Rede sein. Das Mittelland ist Schweizer Siedlungsschwerpunkt und so ist der Weg dann halt auch. Ich laufe von Ort zu Ort, neben der Eisenbahn, kreuze Landstraßen und Autobahnen und sehe sehr viel, was man vielleicht geschäftiges Treiben nennen könnte. Es gibt Straßenbaustellen, Gebäudebaustellen, Bahnbaustellen, Gewerbe in jedem Ort, die Post ist unterwegs, Leute mit kleinen Kindern, man gönnt sich auch gerne ein Frühstück vor dem Cafe oder ein Mittagessen auf der Restaurantterrasse, die Bahn ist dauernd zu hören, der besagte Mähdrescher, Traktoren, auf jedem Bauernhof wird tagsüber gearbeitet, die Häuser sind fast alle entweder neu oder renoviert, das ist schon außergewöhnlich und wirkt sehr wohlhaben und trotzdem stressfrei. Der Schein wird trügen. Aber eigentlich ist das bisher eine Kulturwanderung, in dieser Dichte habe ich das auf dem gesamten Weg seit Berlin nur südlich von Frankfurt gesehen. Wobei das hier im Vergleich natürlich viel kleiner ist.

Und deshalb beschwere ich mich auch über die fehlende Ruhe der letzten Stunden nicht. Als Anerkennung hat man mir in Zofingen eine Straßenwalze zur Verfügung gestellt, die über 50 m exakt im selben Tempo neben meinem Ohr gefahren ist.

Zofingen begrüßt mich

Immer an der Bahn lang

Strahlender Sonnenschein, ich bin schon relativ früh los, alles wirkt noch etwas verschlafen, aber der eine oder andere arbeitet schon oder ist auf dem Weg dahin. Einer hatte schon Zeit, sein Auto zu verschrotten, es stand ziemlich demoliert auf einer Kreuzung. Es sah aus, als hätte jemand mit einem kühlschrankgroßen Hammer von der Seite auf den Kotflügel geschlagen. Anders konnte ich mir das Schadensbild nicht erklären. War zum Glück die Beifahrerseite und der Abschleppwagen war auch schon da. Und dann war da noch die ältere Frau, die allen Ernstes in die auf dem Gehweg deponierte Mülltüte ihres Nachbarn geschaut hat. Man weiß ja nie.

Die Rathausstraße in Liestal

Auf dieser Etappe reihte sich Ort an Ort im Tal und der Weg verlief meistens in der Nähe der Bahnstrecke, oft direkt am Bahndamm und einmal sogar an einer Lärmschutzwand entlang. War nicht immer idylisch. Nur einmal ging es 20 min über einen grünen ruhigen Hügel rüber. Aber auf der anderen Seite war dann gleich wieder Bahnstrecke angesagt, diesmal angereichert mit Autobahn und Gewerbegebiet. Durch irgendeine seltsame Vorsehung war ich genau zu dem Zeitpunkt dort, an dem eine berufliche Besprechung fällig war. Also nahm ich Platz auf einer Bank am Waldrand im Schatten, besprach mich und blickte auf dies:

Im Ergolztal

Anschließend ging es vom Ergolztal ins Homburgertal, wo die Orte merklich kleiner wurden und das Gesamtbild grüner. Es war jetzt Mittag durch und als ich mich irgendwann mal umgedreht habe, war der Himmel plötzlich verdächtig grau. Kleiner Blick auf die Wetterapp versprach ein halbstündiges Gewitter in 20 Minuten. Und ein Blick auf die Landkarte versprach den Bahnhof Diepflingen, ebenfalls in 20 Minuten. Das sollte doch zu schaffen sein, und das war es auch. Allerdings hatte ich mir den Bahnhof größer vorgestellt, mit Cafe, Lademöglichkeit fürs Handy, kleinem Lebensmittelgeschäft oder so.

Es wurde ein ungefähr 10 qm großes Wartehäuschen. Aber immerhin. Und ich konnte mich gut unterhalten, weil ein Deutscher drin saß, der ein Vorstellungstermin für einen neuen Job bei einem örtlichen Unternehmen hatte. Er war auf Nummer sicher gegangen und hatte zwei Züge vor Termin genommen und weil die in der Schweiz so fahren wie sie fahren sollen, saß er halt die Zeit im Wartehäuschen ab. Wir haben über Jobsuche geplaudert, über Headhunter, er hatte über einen das Jobangebot bekommen, den ich auch schon bemüht habe. Und überhaupt über die Lage. Nach 30 min war das Gewitter wie versprochen vorbei. Ich hab ihm viel Glück gewünscht und bin weiter.

Immer an der Bahn lang – auch in Diepflingen

Und weiter geht es im Tal. Das war jetzt ziemlich schmal, und der Weg konnte kaum noch woanders verlaufen wie direkt neben der Bahn. War aber nicht mehr so auffällig, weil es nur noch eine eingleisige Nebenstrecke war. Das Grün drumrum stand dicht, war feucht, dampfte etwas schwül noch vom Gewitter und ich musste ziemlich schwitzen, obwohl Hitze und Sonne weg waren. Aber auch so fühlt sich Sommer an und es war gut.

Homburgertal mit Sommerauer Häusern

Der letzte Teil des Tages bot noch eine Überraschung. Die offizielle Via Gottardo beschreibt hier einen ziemlich großen, mir nicht so recht einleuchtenden Bogen. Ich hatte deshalb eine Abkürzung geplant, die an genau dieser Stelle in Rümlingen los ging:

Rümlingen soweit sichtbar

Die Via Gottardo biegt hier nach Osten ab. Ich aber bin unter der Brücke durch, einmal um die Kirche rum und hatte dann große Mühe, den in meiner Karte eingezeichneten Weg zu finden. Ich musste wirklich immer wieder in vermeintliche Sackgassen, um kurz vor deren Ende zu sehen, dass es doch weiterging. Am Anfang war der Weg einfach ein knapp ein Meter breiter Wiesenstreifen zwischen zwei Gartenzäunen. Nichts ausgeschildert, nichts eingerichtet. Aber der Weg war da. Dann folgten plötzlich sehr steile Stufen neben dem Brückenpfeiler hoch und später war es ein schmaler verwunschener Pfad im Wald, der den Berg hochführte. Ich war die ganze Zeit darauf gefasst, dass er sich plötzlich im Unterholz verliert und ich umdrehen muss. Tat er aber nicht. Und auch als ich oben ankam und mitten durch einen Bauernhof gehen musste, war niemand da, der gemeckert hat. Auch der Hund raste nicht mit gefletschten Zähnen auf mich zu. Im Gegenteil, weder Hund noch Mensch ließen sich blicken und so hatte ich eine ziemlich coole und etwas abenteuerliche Abkürzung gefunden.

Da war’s nur noch eine starke Stunde. Es ging immer wieder auch auf schmale Pfade, die inzwischen ziemlich deutlich von Kalkstein durchsetzt waren. Die Gegend hier nennt sich nicht umsonst Baselbieter Jura, auch einige Felsformationen waren jetzt zu sehen. Und auf einer thronte wieder mal eine Ruine, diesmal die sogenannte Homburg. Die hab ich mir aber geklemmt, Ruine hatte ich gestern schon.